Freitag, 10. Juni 2016

AfD-MdL Dr. Wolfgang Gedeon: Antisemitisch oder "alles halb so schlimm"?



Irgendwo in seinem 2-bändigen Werk "Der Untergang des Abendlandes. Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte" weist Oswald Spengler auf eine Diskrepanz hin zwischen unserer auf Dynamik ausgerichteten ("faustischen") Kultur einerseits und der Statik unserer Begrifflichkeiten bzw. überhaupt unseres begrifflichen Denkens andererseits.

In mancherlei Hinsicht denken und argumentieren wir immer noch so, als ob Begriffe (wie es Plato in seinem Höhlengleichnis dargestellt hat) eine objektive Existenz und damit einen unverrückbaren Inhalt hätten, welchen man nur eifrig erforschen müsste, um das Wahre, Schöne und Gute zu finden.

Vorliegend geht es um den Vorwurf (und damit zugleich um den Begriff) des Antisemitismus, der gegen den AfD-Mandatsträger und 1. Sprecher des Kreisverbands Konstanz, Dr. med. Wolfgang Gedeon erhoben wird.
Auch beim Antisemitismus ringt die Menschheit um die "richtige" Definition; entsprechend stellt sich für die Alternative für Deutschland bzw. zunächst einmal die Stuttgarter Landtagsfraktion der AfD die Frage, ob Dr. Gedeon als Antisemit einzustufen ist oder nicht.



Solchen "WasIsterei"-Denkfallen würde ich gerne entkommen und versuche (obwohl letztlich auch ich nicht völlig an der Kategorienproblematik vorbeikomme) den Begründungsweg für meine Entscheidung (vorwegnehmend: ) gegen Dr. Gedeons Mandatsträgerschaft für die AfD und seine Mitgliedschaft in der Partei etwas anders aufzuzäumen.


Doch zunächst die Fakten:

Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg am 13.03.2016 wurde Dr. med. Wolfgang Gedeon als Landtagsabgeordneter für die Alternative für Deutschland (AfD) in den Stuttgarter Landtag gewählt, und zwar über ein Zweitmandat im Wahlkreis Singen-Stockach. (Vgl. auch diese Meldung bzw. die einschlägige Seite des Statistischen Landesamtes BW, wo auch zum Landeswahlgesetz verlinkt wird.)

Der Wikipedia-Eintrag für Gedeon beruht für die ältere Zeit weitgehend auf der Biographie, die als pdf-Dokument auf Gedeons Webseite online steht (Stand 2012).
Nach diesen Angaben wurde auch er seinerzeit als Student von der 68er-Bewegung erfasst, löste sich aber später davon und kehrte zwar nicht zu seiner ursprünglichen Konfession (katholisch), aber doch zum Christentum zurück. In eine Partei war er bis dahin nicht eingetreten; ich gehe davon aus, dass das auch für die Zeit von der Erstellung seines Lebenslaufs bis zum Eintritt in die AfD gilt.

Gegen Dr. Gedeon wird der Vorwurf erhoben, sich antisemitisch geäußert zu haben. Einen ersten Hinweis finde ich in dem Artikel "Konstanzer AfD-Chef mit rechten Parolen" auf der Webseite "seemoz" (ein Online-Magazin für den Bodenseeraum) vom 24.04.2015. (Allerdings ist der Artikel dort kein Originalbeitrag, sondern: "seemoz verdankt diesen Beitrag dem Watch-Blog zur Partei „Alternative für Deutschland“, der von der „Initiative gegen falsche Alternativen“ (IgfA) betrieben wird." Das nur zur Info; an der Sache ändert es hier nichts. Etwas irritierend ist allerdings doch, dass nicht zur Quelle verlinkt wird, wo der Bericht bereits am 16.04.2015 erschienen war.)

Dieser Artikel hätte vielleicht Veranlassung geben können, sich die Werke oder zumindest die auf Gedeons Webseite (auch damals schon?) zugänglichen Texte näher anzuschauen. Dass das anscheinend niemand in der AfD getan hat, kann ich allerdings verstehen:
Damals war die Auseinandersetzung um den Machtanspruch von Prof. Lucke DAS Thema in unserer Partei. Und wirklich massive Anhaltspunkte für Antisemitismus bot dieser Artikel nicht: Weder enthält er diesen Ausdruck bzw. Vorwurf, noch ist von Gedeons Obsession mit den "Protokollen der Weisen von Zion" die Rede.
In der Hauptsache wird er für seine antilinke und immigrationskritische Position getadelt. Da ist es nachvollziehbar, dass im Grundrauschen dieses gängigen AfD-Bashings Hinweise wie derjenige auf eine Kapitelüberschrift "Zionismus durch die Hintertür" in seinem Buch "Der grüne Kommunismus und die Diktatur der Minderheiten" offenbar nicht besonders auffielen, und ebenso wenig der Schlussabsatz:
"Ernsthaft nennt Gedeon den deutschen Holocaustleugner Horst Mahler einen „Dissidenten“ und vergleicht ihn mit dem chinesischen Nobelpreisträger Liu Xiaobo. Er schreibt zu diesem Vergleich, hier habe man „es mit Repression gegenüber politisch Andersdenkenden zu tun, wobei im Fall Mahler das sakrosankteste Thema des Westens im Zentrum steht, nämlich Zionismus und Holocaust.“ (Seite 34)"

Am 20.05.2015 titelt ein AfD-feindlicher Blog "Konstanzer Kreisverbandssprecher mit ultrarechten Aussagen"; hier werden Gedeon das Schüren von "Wohlstandschauvinismus" und von "rassistischen Bürgerkriegsängsten" vorgeworfen, also das übliche linke Geschwafel. Hinweise auf Antisemitismus gibt es keine. (Weitere Artikel in diesem Blog sind Auszüge aus Medienberichten; auch die wackeren AfD-Watcher pflücken also bevorzugt die niedrig hängenden Früchte.)

Der erste mir bekannte Text, der in Sachen Antisemitismusvorwurf richtig in die Vollen geht, ist der Blogeintrag "Die Protokolle des AfD-Weisen vom Bodensee" einer  vom 01.05.2016 (bzw. bereits am 30.04.2016 bei AchsGut erschienen).
Dieser sehr substanzhaltige Beitrag hätte die Partei schon damals zu einer Überprüfung veranlassen müssen; am 04.05. hatte ich den Link sogar auf der Facebook-Seite der AfD Baden-Württemberg gepostet.
Andererseits: So kurz nach dem Programmparteitag war man vielleicht noch auf dessen Auswertung fixiert.

Man kann es den Juden nicht verdenken, dass sie in Sachen Antisemitismus ganz besonders hellhörig und wachsam sind. Ob nach dem oben zitierten Artikel von Frau







[noch: Pfahl-Traughber] "Dass es sich bei den erwähnten Ausführungen nicht um einen „Ausrutscher“ handelte, macht das drei Jahre später erschienene Buch „Der grüne Kommunismus“ deutlich. Auch darin gibt es einen kurzen Abschnitt zu den „Protokollen“, worin es heißt: „Es wird aber nirgendwo ersichtlich, dass die Urheber der Protokolle, die auch auf dem Baseler Zionistenkongress von 1897 nicht offen, sondern nur in einer geheimen Parallelveranstaltung aufgetreten sind, in irgendeiner Weise repräsentativ für das jüdische Weltkollektiv wären

[Ab hier wieder mein Text]
Dass Gedeon nicht alle Juden der Verschwörungsteilnahme beschuldigt, entlastet ihn in keinster Weise. Denn ganz offensichtlich geht er davon aus, dass es eine ausschließlich von Juden getragene zionistische Verschwörung zur Übernahme der Weltherrschaft gab, und dass diese Verschwörung noch immer aktiv ist.
Also, Gedeons Aussage salopp aber sachlich korrekt umformuliert:
'Zwar sind nicht ALLE Juden Verschwörer - aber die zionistischen Verschwörer sind alles JUDEN'. Und diese Geschichte ist immer noch im Gange.'

Da man naturgemäß nicht weiß, wer zu den Verschwörern gehört und wer nicht, wäre die logische Konsequenz einer solchen Meinung, dass man jeden einzelnen Juden verdächtigt, möglicherweise ein zionistischer Verschwörer zu sein.
Welche Folgen das für die praktische Politik haben kann (und, wenn sich diese Auffassung durchsetzen würde, mit Sicherheit auch hätte), muss ich hoffentlich nicht erläutern.

Am 02.06.2016 ließ Pfahl-Traughber einen weiteren Artikel folgen, der den früheren Text aufnimmt, aber erweitert: "Mehr Geschichtsverdrehungen und Verschwörungsphantasien des AfD-Landtagsabgeordneten Wolfgang Gedeon". Er begründet das mit der Aufmerksamkeit, die sein erster Artikel gefunden habe:
"Ein Beitrag auf haGalil über den AfD-Landtagsabgeordnete Wolfgang Gedeon aus Baden-Württemberg und seine Beurteilung der antisemitischen Fälschung „Die Protokolle der Weisen von Zion“ sorgte in der vergangenen Woche für viel Aufmerksamkeit. Nach einem Bericht der Stuttgarter Nachrichten [vom 01.06.16, hier; der bezieht seine Informationen allerdings aus einem BILD-Artikel vom gleichen Tage] kündigte AfD-Fraktionschef Jörg Meuthen an, die Vorwürfe gegen Gedeon „sorgfältig“ prüfen zu wollen. Im Folgenden eine erweiterte Analyse von Gedeons Schriften, die seine Ansichten zu „Freimaurern“ und „Zionisten“ verdeutlichen."

Anscheinend hatte die BILD den AfD-Mitvorsitzenden und AfD-Fraktionschef im baden-württembergischen Landtag, Prof. Jörg Meuthen, auf diese Vorgänge angesprochen. Über dessen Reaktion berichtet die Zeitung in dem bereits zitierten Artikel:
"Am Mittwoch erklärte Baden-Württembergs AfD-Landeschef und Sprecher im AfD-Bundesvorstand, Jörg Meuthen (54) gegenüber BILD: „Beim Antisemitismus verfolgen wir eine Null-Toleranz-Politik. Ich habe von den Vorwürfen gegen Herrn Gedeon gerade erst erfahren. Wir werden diese sorgfältig prüfen und danach, falls erforderlich, Maßnahmen ergreifen.“
Andere Medien zogen nach (z. B. Handelsblatt vom 02.06,   FAZ vom 04.06.2016).

Unter dem 07.06.2016 erfahren wir z. B. bei SPON unter "Antisemitismus-Vorwurf: AfD empfiehlt Parteiausschluss von Abgeordnetem Gedeon":
"In dem einstimmigen Beschluss der Bundesspitze der AfD heißt es, man sei "entsetzt" über Gedeons Äußerungen. Der Bundesvorstand empfiehlt deshalb, den Sachverhalt zu prüfen und Gedeon gegebenenfalls auszuschließen. Der Ausschluss müsste beim Landesschiedsgericht beantragt werden. Am Dienstag stimmte auch die Mehrheit der 23 AfD-Abgeordneten im Landtag von Baden-Württemberg für einen Antrag, den Parlamentarier nach Antisemitismus-Vorwürfen aus der Fraktion auszuschließen. Über den eigentlichen Ausschluss muss nach Angaben der Fraktion laut Satzung in einer gesonderten Sitzung entschieden werden. Dafür müssen mindestens fünf Werktage vergangen sein. Der Ausschluss kann nur mit Zwei-Drittel-Mehrheit beschlossen werden. Die endgültige Entscheidung soll auf der Fraktionssitzung am 21. Juni fallen. Zum genauen Abstimmungsergebnis am Dienstag wollte die Fraktion keine Angaben machen."

"Wie andere Formen verschwörungstheoretischen Denkens, das alle Fakten nur als Bestätigung für bereits bestehende Überzeugungen und Gefühle selektiv heranzieht und deutet, entzieht sich auch der Antisemitismus einer rationalen Diskussion. Dies macht überzeugte Antisemiten gegen rationale Aufklärung weitgehend resistent [Hervorhebung von mir], was nicht in gleichem Maße für Personen gilt, die nur einzelne negative Stereotype über Juden für zutreffend halten, diese aber nicht in eine umfassendere Weltanschauung integrieren"
schreibt Prof. Dr. Werner Bergmann  in seinem Dossier "Was heißt Antisemitismus?", das im Jahr 2006 bei der Bundeszentrale für politische Bildung - bpb - erschienen ist.
[Diesen Text sollte jeder gelesen haben, der beim Thema Gedeon / Antisemitismus mitreden will, ohne sich bisher intensiver mit historischer Entstehung und Begriffsverständnis von Antisemitismus auseinandergesetzt zu haben. Außerdem gibt es natürlich auch in der Wikipedia mehrere Einträge, z. B. unter "Judenfeindlichkeit".]
Es war also zu erwarten, dass Wolfgang Gedeon aufklärungsresistent sein und daher selber bestreiten würde, ein Antisemit zu sein.

Auf seiner Homepage hat er zwei Stellungnahmen veröffentlicht, die ich nachfolgend wiedergebe:


[I.] Stellungnahme vom 7.6.2016 zur derzeitigen Medienkampagne gegen mich

"Ich bin kein Antisemit. Diejenigen, die das behaupten, haben meine Bücher entweder nicht gelesen oder nicht verstanden. Antisemitismus ist eine pauschale und ketzerische Verunglimpfung der Juden und alles Jüdischen. An keiner Stelle verunglimpfe ich Juden pauschal oder hetze gegen sie. Immer differenziere ich deutlich zwischen Zionismus, einer mehr oder weniger nationalistischen Ideologie, und dem Judentum, einer ethnokulturellen Identität. Auch beim Zionismus unterscheide ich noch weitere Formen, vor allem eine defensiv-pragmatische und eine fundamentalistisch-aggressive Form. Letztere drückt sich z. B. im Nahen Osten in einer expansionistischen Siedlungspolitik und teilweise kriegsverbrecherischen „Vergeltungsexzessen“ im Gaza aus, mit gezielten Bombenabwürfen auf Krankenhäuser und Schulen etc. Diesen fundamentalistischen Zionismus verurteile ich scharf, genauso wie den Islamismus und andere totalitäre Ideologien. In diesem Sinn bezeichne ich mich als dezidierten Antizionisten.

Dies bedeutet freilich nicht, dass ich Israel das Existenzrecht abspreche – im Gegenteil: Ich halte dieses für eine nachhaltige Friedensordnung in Nahost für unabdingbar, nicht zuletzt als geopolitisches Gegengewicht zum sich dort ausbreitenden Islamismus. Dabei gestehe ich ein, dass die Gründung Israels durchaus mit Vertreibungsverbrechen an den dort ansässigen Palästinensern verbunden war. Aber man kann ein Vertreibungsunrecht nicht damit beseitigen, dass man immer wieder ein neues Vertreibungsunrecht begeht.

Zionismus findet nicht nur im Nahen Osten, sondern auch im Westen, vor allem in den USA und in Deutschland, statt; hier in Form einer lobbyistischen Politik, die unter missbräuchlicher Instrumentalisierung des Antisemitismus-Vorwurfs jüdische Partialinteressen in unverhältnismäßiger Weise gesellschaftlich durchzusetzen versucht. Ich denke in diesem Zusammenhang an eine Rechtspolitik, die nicht mehr zwischen Gesinnung und Straftaten unterscheidet (siehe Fall Mahler), ich denke auch an den Fall Martin Hohmann, den CDU-Bundestagsabgeordneten aus Fulda, der vor zehn Jahren durch eine Hetzkampagne aus seiner Fraktion getrieben wurde, was man jetzt offensichtlich in meinem Fall zu wiederholen versucht.

Die Vorwürfe, die man mir konkret macht, sind dabei intellektuell eher dürftig und moralisch unredlich.

Erstes Beispiel: Ich würde Holocaust-Leugner wie Mahler durch die Verwendung des Begriffes Dissident aufwerten. Tatsächlich aber ist es eine Fehlinterpretation, wenn man mit diesem Begriff eine moralische Aufwertung verbindet. „Dissident“ (vom lateinischen dissidere) ist ein rein formaler Begriff, der nichts über den inhaltlichen Wert der Opposition aussagt: ein einzelkämpferischer Oppositioneller.

Zweites Beispiel: Die Verwendung des Begriffs „Schandtaten“ bzw. „gewisse Schandtaten“ im Zusammenhang mit dem Holocaust würde diesen verharmlosen. In Jadvaschem gibt es eine „Halle der Schande“. Ich glaube nicht, dass dort mit diesem Begriff der Holocaust verharmlost wird.

Drittes Beispiel: Wer die Protokolle der Weisen von Zion nicht als Fälschung betrachte, sei Antisemit. Bei objektivem Vergleich der widerstreitenden Ansichten über diese Protokolle sieht es eher nicht nach Fälschung aus. Aber selbst wenn sie eine solche wären, wäre die Schlussfolgerung auf eine antisemitische Gesinnung willkürlich. Es geht um infame Machtpolitik à la Machiavelli und Sunzi, die gewissen Machtpolitikern, gerade auch in der EU, als Blaupause dient. Dabei sind die allermeisten von ihnen sicher keine Juden.

Viertes Beispiel: Ich würde „die Juden“ zu den Inneren Feinden des christlichen Abendlandes machen. — Nicht ich mache sie dazu, vielmehr war die christliche Gesellschaft damals aufgrund religiöser Überzeugungen mehrheitlich judenfeindlich eingestellt: Auf jüdischer Seite spricht man von „christlichem Antisemitismus“, dem freilich eine genauso große Christenfeindlichkeit auf jüdischer Seite entsprach, siehe verschiedene Talmudzitate. Auch hier kann man entsprechende Analysen für falsch halten. Warum sie freilich gleich antisemitisch sein sollen, ist nicht nachvollziehbar.

Fünftes Beispiel: Ich würde der jüdischen Religion vorwerfen, an einer „Versklavung der Menschheit“ zu arbeiten. Tatsächlich bringe ich ein wörtliches Talmudzitat: „Wenn der Messias kommt, werden alle Sklaven der Juden“. Dieses Zitat wird im weiteren Text für die heutige Zeit wesentlich relativiert: Durch europäische und jüdische Aufklärung hat die Bedeutung des Talmud inzwischen stark abgenommen hat, so dass wir in unserer Gesellschaft solch religiös bedingte Gegensätze zwischen Juden und Christen nicht mehr haben.
Weitere Beispiele erspare ich mir.

Insgesamt handelt es sich bei meinen Büchern um politische Hintergrundliteratur, eher für politologische und theologische Seminare als für die undifferenzierte Diskussion auf dem Marktplatz gedacht. Für die politische Diskussion in der AfD habe ich zahlreiche konkrete Papiere verfasst, auf die ich verweise (www.wgmeister.de). Dem, der über den politischen Hintergrund meines Denkens Weiteres wissen will, empfehle ich den „Grünen Kommunismus“. Wer sich darüber hinaus für spezielle theologische Aspekte interessiert, sei auf Band I; für spezielle geschichtliche Aspekte auf Band II meiner Trilogie verwiesen. Bei letzteren Büchern handelt es sich um explizite Kaderliteratur, die ein gewisses philosophisches Denken erfordern. Für Leute, die glauben, als Zitate-Sammler mit welcher Intention auch immer im Text herumpicken zu können, sind diese Bücher denkbar ungeeignet."


Schauen wir uns an, welche Definitionen Prof. Bergmann für den Begriff "Antisemitismus" anbietet:
"Eine einheitliche, allgemeinverbindliche Definition von Antisemitismus existiert nicht. ..... die amerikanische Historikerin Helen Fein [hat] Antisemitismus ..... [so] definiert:
Antisemitismus ist ein dauerhafter latenter Komplex feindseliger Überzeugungen gegenüber Juden als einem Kollektiv. Diese Überzeugungen äußern sich beim Einzelnen als Vorurteil, in der Kultur als Mythen, Ideologie, Folklore und in der Bildsprache, sowie in Form von individuellen oder kollektiven Handlungen – soziale oder gesetzliche Diskriminierung, politische Mobilisierung gegen Juden, und als kollektive oder staatliche Gewalt –, die darauf zielen, sich von Juden als Juden zu distanzieren, sie zu vertreiben oder zu vernichten.
..... den spezifischen Gehalt des Antisemitismus gegenüber anderen Formen der Judenfeindschaft ..... kann man ..... wie folgt charakterisieren:
Dem Antisemiten gelten Juden ihrer gesamten Natur nach als schlecht und in ihren negativen Eigenschaften als unverbesserlich. Wegen dieser notwendig anwesenden Charaktermerkmale sind Juden immer als Kollektiv zu betrachten, das den Gesellschaften, in denen es lebt, wesensfremd bleibt und einen verdeckten destruktiven Einfluss auf das "Gastvolk" ausübt. Dieser negative Einfluss und die faktische Fremdheit müssen entlarvt werden, um das wahre, unveränderliche Wesen der Juden hervortreten zu lassen.
Das EUMC folgt in seiner Arbeitsdefinition dieser Vorgabe, indem es Antisemitismus definiert als Vorwurf gegen die Juden, sie würden konspirieren, um die Menschheit zu schädigen, und als ein Mittel, um die Juden dafür verantwortlich zu machen, wenn Vorhaben fehlschlagen ("why things go wrong")
."


Gedeon entwickelt eine eigene Definition (meine Hervorhebungen):
"Antisemitismus ist eine pauschale und ketzerische Verunglimpfung der Juden und alles Jüdischen. An keiner Stelle verunglimpfe ich Juden pauschal oder hetze gegen sie"
Damit legt er sich den Ball so auf die Torlinie, dass er ihn problemlos reintreten kann.
Der Knackpunkt (der freilich auch bei den von Bergmann zitierten Definitionen nicht mit hinreichender Schärfe beleuchtet wird) ist die Frage, ob man etwas gegen "DIE" Juden haben muss, um Antisemit zu sein, oder ob es dafür schon ausreicht, etwas gegen JUDEN zu haben.
(Die weitere Frage wäre natürlich, ob Gedeons Glaube an die Ausfertigung des Protokolls der Weisen von Zion und das noch gegenwärtige Wirken "zionistischer" Einflüsse auf die US-Politik und, indirekt über diese, auf Europa und die Welt ein Urteil ist, oder ein Vor-Urteil.)

"Immer differenziere ich deutlich zwischen Zionismus, einer mehr oder weniger nationalistischen Ideologie, und dem Judentum, einer ethnokulturellen Identität."

Dass Gedeon beides wirklich IMMER auseinanderhält, ist bereits gelogen (wenn auch vermutlich nicht absichtlich; hier hat sich ein wohltätiges Vergessen des Autors bemächtigt). Mehr dazu unten. Doch selbst wenn er das stets unterscheiden würde, wäre zumindest die Behauptung falsch, dass der Zionismus nur als eine nationalistische Ideologie behandelt. Bei den Protokollen der Weisen von Zion geht es um die Übernahme der Weltherrschaft: "Der wenig strukturierte Text kreist unter zahlreichen Wiederholungen um drei Themen: eine Kritik am Liberalismus, die angeblichen Pläne des Weltjudentums, die Weltherrschaft zu übernehmen, und das künftige jüdische Weltreich" heißt es dazu in der Wikipedia.
Das ist schon ein anderes Kaliber als alle Nationalismen. Und als Träger dieser Pläne wird das "Weltjudentum" angesehen.

Die Wikipedia verlinkt übrigens auch zu einer deutschsprachigen Ausgabe der Protokolle (von 1924). Diese habe ich mir nicht durchgelesen, wohl aber die Einführung des Herausgebers Theodor Fritsch überflogen.
Wenn man darin liest, dass erst aus diesen Protokollen angeblich "die Rätsel unserer Zeit [also um 1924] verständlich" werden, dann fühlt man sich verdammt stark beispielsweise an folgende Passage aus einem Vortrag von Gedeon aus dem Jahr 2010 erinnert (meine Hervorhebungen):
"Was das Judentum in Europa anlangt, so verstärkte sich zwar sein gesellschaftlicher Einfluß seit der humanistischen Aufklärung, aber sicher nicht in dem Maß, daß man von einem den Charakter Europas wesentlich gestaltenden oder gar konstituierenden Faktor sprechen könnte. Für die USA dagegen kann man durchaus unterstellen, daß im Laufe des 20. Jahrhunderts der jüdische Faktor eine wesentlich gestaltende, ab 1989 vielleicht sogar dominante Position in Staat und Gesellschaft gewonnen hat. Über den Umweg durch die USA, mit der 1945 in Europa beginnenden Amerikanisierung, gewinnt jetzt dieser Faktor auch bei uns in starkem Maße bestimmenden Einfluß auf Politik und öffentliches Leben."
Das würde bedeuten, dass man die großen politischen Linien in den USA, aber bis zu einem gewissen Grade auch in Europa, nur mit einem Wirken des Judentums erklären und damit auch für unsere Zeit zumindest einige sonst rätselhafte Vorgänge mit einer zionistischen Weltverschwörung erklären kann. Denn wer lang und breit über die Protokolle der Weisen von Zion schreibt und deren Echtheit zu beweisen versucht, kann diesen "jüdischen Einfluss" ja nur als eine hinterhältig-verschwörerische Aktivität verstehen. Oder welche andere Funktion soll Gedeons exzessive Beschäftigung mit den angeblichen Protokollen für seine Argumentation erfüllen?

Vor allem aber haben wir in dieser Textstelle auch gleich eine Widerlegung von Gedeons Behauptung, dass er immer zwischen Zionismus und Judentum unterscheide. Denn als Träger einer "vielleicht sogar dominante[n] Position in Staat und Gesellschaft" der USA (und zugleich indirekt einer jedenfalls sehr starken Position in Europa) identifiziert er eben nicht irgend einen "Zionismus", sondern "das Judentum" bzw. "der jüdische Faktor".
(Tatsächlich haben die amerikanischen Juden einen überproportional großen Einfluss jedenfalls auf die amerikanische Nahost-Politik. Aber für Israel steht bekanntlich die staatliche Existenz des Landes auf dem Spiel. Und das berührt auch die Interessen der Juden in aller Welt, für welche dieser Staat bei neuerlicher Verfolgung ja die letzte Zuflucht wäre. Deshalb muss man keine Weltherrschaftspläne nach Art der Protokolle bemühen, um die Ratio der US-"Israel Lobby" intellektuell nachvollziehen zu können.)
Noch heftiger ist die Analogie des Fritsch-Textes zu einer anderen Meinungsäußerung Gedeons, und zwar aus seinem Buch "Christlich-europäische Leitkultur - Die Herausforderung Europas durch Säkularismus, Zionismus und Islam", Kapitel "Die 'Protokolle der Weisen von Zion' ", deren Text (als Word-Datei herunterzuladen) er selber in aller Unschuld und vollkommener Naivität als vermeintliches Mittel zu seiner Verteidigung jetzt auf seiner Webseite verlinkt hat:
"Wer die Geschichte und Politik der letzten 100 Jahre betrachtet, muß konzedieren, daß viele der in den 'Protokollen' aufgeführten Elemente und Praktiken schon tatsächlich umgesetzt wurden."
DAS muss man ihm tatsächlich konzedieren: Dass er sich selber nicht entfernt für einen Antisemiten hält. Aber in der Außensicht ..... ist eine derartige Stelle denn doch ein heftiges Indiz für seine Übernahme gängiger antisemitischer Stereotype.


Die Lügnerei geht weiter, wenn Gedeon behauptet
"Die Vorwürfe, die man mir konkret macht, sind dabei intellektuell eher dürftig und moralisch unredlich. Erstes Beispiel: Ich würde Holocaust-Leugner wie Mahler durch die Verwendung des Begriffes Dissident aufwerten. Tatsächlich aber ist es eine Fehlinterpretation, wenn man mit diesem Begriff eine moralische Aufwertung verbindet. „Dissident“ (vom lateinischen dissidere) ist ein rein formaler Begriff, der nichts über den inhaltlichen Wert der Opposition aussagt: ein einzelkämpferischer Oppositioneller."

Dazu zitiere ich (bewusst ausführlich, damit niemand auf die Idee kommt, ich würde willkürlich eine mich bestätigende Stelle herausgreifen; als Hilfe für die Leser habe ich aber den wesentlichen Abschnitt mit einem Absatz und Fettschrift markiert) aus einer auf Gedeons Webseite eingestellten Leseprobe seines Buches "Der grüne Kommunismus und die Diktatur der Minderheiten. Eine Kritik des westlichen Zeitgeists":
"Der zweite Grundwiderspruch des Westens betrifft den Zionismus. Man kann nicht eine universalistische Ideologie kultivieren, die Gleichheit aller Nationen predigen und den Nationalismus verurteilen — und gleichzeitig dem Zionismus, der nichts anderes als ein jüdischer Nationalismus ist, eine Sonderrolle im System einräumen. Es ist für den Rest der Welt unverständlich, ja unerträglich, wenn nichtwestliche Staaten bei vergleichsweise kleinen vermeintlichen oder tatsächlichen Menschenrechtsverletzungen schärfste Sanktionen des Westens bis hin zu amerikanischen Bomben befürchten müssen, im Fall Israels aber sogar das Gaza-Massaker von 2008 / 09 ohne Folgen bleibt und die Gralshüter der Menschenrechte im Westen beide Augen zudrücken.
Die dichotome Interpretation der Menschenrechte beschränkt sich nicht nur auf die Untaten der Zionisten. Die pharisäerhafte Attitüde tritt hier zwar am systematischsten auf, sie kann aber generell zur psychologischen Grundausrüstung westlicher Politiker gerechnet werden. So predigt Frau Merkel Humanität in der Mongolei und verurteilt dabei die Todesstrafe, während diese nach wie vor in den USA, im Land der westlichen Führungsmacht, grausam praktiziert wird. Des Weiteren predigt man Gleichheit vor dem Gesetz, aber vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag kommen nur Kriegsverbrecher aus kleinen nichtwestlichen Staaten. Kriegsverbrecher aus westlichen Staaten und insbesondere aus den USA und Israel haben hier nichts zu befürchten.
Schließlich predigt man Toleranz und ist empört, wenn in China Dissidenten für Jahre ins Gefängnis wandern. Gleichzeitig sperrt man die eigenen Dissidenten (z. B. Irving, Zündel, Mahler u.a.) für Jahre hinter Gitter. „Ja, bei uns sind die Dissidenten gar keine Dissidenten“ sagt man, „sondern wegen begangener „Volksverhetzung“ verurteilte Kriminelle’. In China aber seien es keine Kriminellen, sondern tatsächliche Dissidenten.“ Wer hätte das gedacht! Mit solcher Interpretation der Menschenrechte macht sich der Westen in der übrigen Welt nicht nur unglaubwürdig, sondern lächerlich."

Hier ist Gedeons Begriffsverwendung "Dissident" für die Holocaust-Leugner selbstverständlich eine moralische Aufwertung, weil er sie mit den chinesischen Kämpfern für Demokratie und gegen die kommunistische Diktatur auf dieselbe Stufe stellt.
Und die Holocaust-Leugner sind keineswegs "Oppositionelle" (in einem respektablen Sine), sondern schlicht Spinner. Die gegenteilige Meinung lässt sich rein logisch nur damit begründen, dass man die Holocaust-Leugnung für berechtigt hält oder zumindest die Möglichkeit ihrer Richtigkeit nicht ausschließt.
Und in der Tat erfahren wir in einem der oben zitierten Hagalil-Artikel über Gedeons Position in dieser Frage:
"Gleichwohl müssten der „Holocaust-Revisionismus und die Geschichtsdissidenten“ (Bd. II, S. 223) ernstgenommen werden. Deren Argumente sollten einer kritischen Prüfung unterzogen werden: „Andernfalls wäre es ehrlicher, gleich ein Wahrheitsministerium im Orwellschen Sinn einzurichten und es beim Zentralrat der Juden in Deutschland anzusiedeln“ (Bd. II, S. 239)."
Dass Gedeon auch hier dem "Zentralrat der Juden in Deutschland" (und nicht etwa irgendwelchen davon zu unterscheidenden Zionisten) subkutan eine Aktivität zu Lasten der Deutschen (Fälschung der deutschen Geschichte) oder zumindest ein Interesse an einer Faktenfälschung unterstellt, straft seine obige Behauptung einer stets durchgehaltenen Trennung zwischen Zionismus und Juden neuerlich Lügen.

[Persönliche Anmerkung: Auch ich lehne es ab und halte es für unsäglich primitiv, dass die westlichen Gesellschaften in Europa - die USA haben insoweit mehr Vertrauen in die Schwarmintelligenz ihres Volkes - die Leugnung historischer Fakten mit Gefängnis bedrohen. Aber diese schrägen Vögel mit dem Begriff "Dissidenten" zu adeln: DAS käme mir nicht entfernt in den Sinn!]


Was die Bezeichnung der Judenvernichtung als "Schandtat" angeht, sagt mein Lexikon:
"Schạnd|tat, die:
1. (emotional) verabscheuungswürdige Tat: eine S. begehen; jmdm. alle Schandtaten zutrauen.
2. (ugs. scherzh.) leichtsinnige, unbekümmert-übermütige Handlung, Unternehmung:
*zu jeder S., zu allen -en bereit sein (alles mitmachen, was andere vorschlagen, gern möchten).
© Duden - Deutsches Universalwörterbuch, 6. Aufl. Mannheim 2006 [CD-ROM]."
Auch wenn ich den Wortgebrauch im Zusammenhang mit dem Holocaust für unglücklich halte (weil der Ausdruck von vielen Menschen vermutlich eher mit der Bedeutung Ziff. 2 als Ziff. 1 assoziiert wird), sollte man sich mit solchen Petitessen gegen Gedeon nicht weiter aufhalten: Da gibt es, wie wir schon oben gesehen haben, sehr viel belastendere Stellen in seinen Werken.


Auch Gedeons drittes Beispiel für angeblich falsche Anschuldigungen gegen ihn ist die reinste Sophistik:
"Wer die Protokolle der Weisen von Zion nicht als Fälschung betrachte, sei Antisemit. Bei objektivem Vergleich der widerstreitenden Ansichten über diese Protokolle sieht es eher nicht nach Fälschung aus. Aber selbst wenn sie eine solche wären, wäre die Schlussfolgerung auf eine antisemitische Gesinnung willkürlich. Es geht um infame Machtpolitik à la Machiavelli und Sunzi, die gewissen Machtpolitikern, gerade auch in der EU, als Blaupause dient. Dabei sind die allermeisten von ihnen sicher keine Juden."

Nach allem, was man in den o. a. Artikeln über ihn und auf seiner Webseite von ihm selber lesen kann, geht es ihm in seiner jeweiligen Argumentation ja gerade nicht darum, die Protokolle als ein Beispiel neben anderen heranzuziehen, um damit historische Fälle von infamer Machtpolitik zu beschreiben. Vielmehr schreibt er ihnen einen Erklärungswert für historische und aktuelle politische Vorgänge zu, weil er Mächte am Werke wähnt, welche diese angeblichen zionistischen Planungen nach wie vor umzusetzen versuchen.
Des Weiteren waren Machiavelli usw. keine Verschwörer. Daher lässt sich die Funktion der Protokolle (wenn sie denn echt wären) in keinster Weise mit dem Stellenwert eines Buches wie "Der Fürst" (oder allgemein mit den Vorstellungen und den Absichten von Machiavelli) vergleichen. Was den Hintergrund und die angebliche Umsetzung angeht, sind das schlicht inkomparable Dimensionen. Und tatsächlich geht es Gedeon auch gar nicht um einen quasi literarischen Vergleich (und ebenso wenig stellt er offenbar Vergleiche bezüglich der historischen Auswirkungen an): Dass er seine Ausführungen als eine Analyse von Machtpolitik schlechthin, oder von konkreten historischen Machtpolitiken oder Machttheorien interpretiert wissen will, ist eine reine Schutzbehauptung.
Wie schon die Buchtitel "CHRISTLICH-EUROPÄISCHE LEITKULTUR. Die Herausforderung Europas durch Säkularismus, Zionismus und Islam" (eine Trilogie) und "Der grüne Kommunismus und die Diktatur der Minderheiten. Eine Kritik des westlichen Zeitgeists" bezeugen, geht es Gedeon um eine Deutung des ZEITGESCHEHENS, nicht um geschichtliche Langzeitvergleiche.

Wahrscheinlich hat er bei seiner Behauptung, dass es ihm lediglich um "infame Machtpolitik" gehe an den folgenden Absatz aus seinem in Dialogform verfassten Buch "Christlich-europäische Leitkultur - Die Herausforderung Europas durch Säkularismus, Zionismus und Islam", Kapitel: Die 'Protokolle der Weisen von Zion' " gedacht (Buchseiten 465 – 480, als Word Dokument online):
"Die Protokolle sind also ein machiavellistisches Geheimpamphlet nach dem Motto: Zur Erlangung der politischen Macht sind alle Mittel zur Vernichtung des Gegners legitim. Solcherart Schriften sind in der Weltliteratur nicht außergewöhnlich und tauchen immer wieder auf. Schon vor 2500 Jahren stellte zum Beispiel der chinesische „Meister“ Sun-Tsu 10 Regeln auf: ....."

Aber wenn es ihm wirklich um Vergleiche mit Machiavelli und Sun-Tsu ginge, wäre Gedeons langatmiger (weit mehr als die Hälfte des online gestellten Abschnitts!) und stark emotional getönter Kampf gegen den Historiker Prof. Wolfgang Benz und dessen Buch "Die Protokolle der Weisen von Zion [Leseprobe]. Die Legende von der jüdischen Weltverschwörung" [Amazon] absolut funktionslos für seine Zielsetzung.

Worauf Gedeon in Wahrheit hinaus will (aber sich möglicherweise sogar selber - wenns brenzlig wird - hinwegtäuscht) zeigt sich andeutungsweise bereits in dem Satz, der auf die Darstellung der Grundsätze von Sun Tsu (in denen es offenbar um die Kriegführung geht) folgt, und mehr noch in der zugehörigen Fußnote:

"Das Besondere an den Protokollen ist, daß sie mutmaßlich von jüdisch-zionistischen Autoren verfaßt und auf die Verhältnisse des 20. Jahrhunderts zugeschnitten sind[1].



[1] Schon Ende des 15. Jahrhundert wurde ein Brief entdeckt, den das Oberhaupt der Juden in Konstantinopel an den Rabbiner Chamor aus Arles (Südfrankreich) auf dessen Anfrage hin geschrieben hatte:

„Geliebte Brüder des Moses, wir haben euren Brief erhalten, in welchem ihr uns die Ängste und Mißgeschicke wissen läßt, die zu ertragen ihr euch gezwungen seht, und wir sind von einem Schmerz, so groß wie der eurige, durchdrungen. Der Rat der größten Lehrer und Fürsten unseres Gesetzes ist der folgende:

„Ihr sagt, daß der König von Frankreich euch verpflichtet, Christen zu werden; nun denn, tut es, aber bewahrt das Gesetz des Moses in euren Herzen.

Ihr sagt, daß man euch eure Güter wegnehmen will; macht eure Söhne zu Kaufleuten, damit sie mittels des Handels die Christen der ihrigen berauben.

„Ihr sagt, daß man nach eurem Leben trachtet, macht eure Söhne zu Ärzten und Apothekern, damit sie die Christen ohne Furcht vor Strafe des ihrigen berauben.

„Ihr sagt, daß man eure Synagogen zerstört; macht eure Söhne zu Geistlichen und Kanonikern, damit sie die christliche Kirche zerstören.

„Ihr sagt, daß man nach eurem Leben trachtet; macht eure Söhne zu Advokaten, Notaren oder Mitgliedern anderer Berufsstände, die sich gewöhnlich um die öffentlichen Angelegenheiten kümmern; durch dieses Mittel werdet ihr die Christen beherrschen, euch ihrer Länderein bemächtigen und euch an ihnen rächen.

„Befolgt diesen Befehl, den wir euch geben, und ihr werdet durch die Erfahrung sehen, daß ihr, so niedergeschlagen ihr auch seid, zum Gipfel der Macht gelangen werdet.

„Gezeichnet V.S.S.V.E.F., Fürst der Juden von Konstantinopel, im Kislev 1489“ [in 227, 192];

Siehe hierzu auch einen ähnlichen, von uns weiter unten zitierten Brief an die jüdischen Konvertiten in Spanien aus dem 16. Jahrhundert; Schriften, wie die Protokolle der Weisen von Zion, haben also auch im Judentum gewisse Vorläufer."

Diese Hinweise auf angebliche frühere verschwörungsartige Vorgänge von Juden (bei der ein Kritiker ohnehin zunächst die Glaubwürdigkeit anhand der angegebenen Quellen verifizieren müsste: der "Fürst der Juden von Konstantinopel" hört sich ziemlich dubios an!) kann ein unvoreingenommener Leser nur so verstehen, dass sich nach Gedeons Meinung bereits vor Jahrhunderten Juden zum Nachteil der Christenmenschen verschworen haben.
[Nachtrag 14.06.2016: Klar ist auch diese angebliche Verschwörungskorrespondenz antisemitischer Müll, gewachsen auf dem Mist eines katholischen Geistlichen (Emmanuel Chabauty). Vgl. dazu die Darstellung von Peter Myers in seinem Aufsatz "Norman Cohn's book Warrant For Genocide - putting the case that the Protocols of Zion is a Forgery". ]

Völlig  unmissverständlich stellt er im Schlusssatz des Kapitels (oder lediglich des eingestellten Teils?) seine Sichtweise dar (meine Hervorhebungen):
"Wer dieses Thema primär mit Psychologisierung und Formalisierung angeht, wird unweigerlich zum Appeasement-Politiker und im schlimmsten Fall sogar zum Komplizen tatsächlicher Verschwörungen!"

Noch deutlicher wird seine Stoßrichtung dadurch, dass er kurz vorher, im selben Absatz, die bereits oben in anderem Zusammenhang angeführte Meinung formuliert hatte:
"Wer die Geschichte und Politik der letzten 100 Jahre betrachtet, muß konzedieren, daß viele der in den 'Protokollen' aufgeführten Elemente und Praktiken schon tatsächlich umgesetzt wurden."
Da kann man nur noch auf den Sarkasmus von Frau Pyka (bei ihr in anderem Zusammenhang) rekurrieren:
"Ja, so sind sie eben, die Zionisten. Immer für eine Verschwörung gut, gerne auch mal in Kooperation mit anderen dunklen Mächten. Da ist es beruhigend, dass es noch tapfere Landtagsabgeordnete wie Wolfgang Gedeon gibt, die sich dem entgegenstellen."

Denn entgegen seiner Schutzbehauptung will Gedeon hier mitnichten abstrakte Erörterungen über skrupellose Machtpolitik schlechthin und an sich oder literarische Vergleiche historischer Machttheoretiker anstellen: Ihm geht es ganz knallhart um den Nachweis, dass die "Protokolle"
a) ein tatsächlich so formulierter verschwörerischer Plan einer historischen jüdischen Gruppíerung sind und
b) dass es noch heute verschwörerisch operierende jüdische Gruppen gibt, welche auf der Basis dieser Blaupause weiterhin gegen unser Wohlergehen wirken. (Und das tun sie, nach Gedeons Ansicht, über den Hebel USA heute sogar wieder zunehmend erfolgreich.)

In die gleiche Richtung weist, was die Bloggerin Jennifer Nathalie Pyka aus Gedeons Büchern ausgegraben hat:
"Interessiert lese ich weiter und erfahre, worum es Wolfgang Gedeon eigentlich geht. Was ihn besonders mitnimmt, ist der vermeintliche Niedergang des Christentums. Durch das II. Vatikanische Konzil nämlich hätte die katholische Kirche "einen Rückfall in den Judaismus eingeleitet und damit dem Vordringen von Säkularismus, Zionismus und Islam geistig die Tore geöffnet". Und das geht natürlich gar nicht. Denn gerade der Zionismus, so steht es zumindest im zweiten Band über „Geschichte und Verschwörungspolitik“, sorge ständig für Ärger:
„Der Zionismus, ursprünglich eine nationalistisch-politische Bewegung des Judentums, dominiert inzwischen weitgehend das Denken des Westens. Er sorgt dafür, daß die ruhmreiche Geschichte des christlichen Abendlandes in eine Kriminalgeschichte des „Antisemitismus“ uminterpretiert wird; daß europäische Rechtsprechung, den Holocaust betreffend, immer mehr zur unsere Rechtskultur deformierenden Gesinnungsjustiz gerät; daß schließlich Auschwitz zum neuen Golgatha gemacht wird und ein allgegenwärtiges Holocaust-Gedenken das Christentum als Leitreligion des Westens verdrängt.“
Und später:
"Daneben [neben Israels Politik gegen die Palästinenser] macht sich der Zionismus auch noch anderweitig bemerkbar.  Zum Beispiel im Rahmen der „Kampagne“ gegen Missbrauch in katholischen Schule etwa, mittels derer "schließlich das gesamte Christentum niedergemacht und ausgeschaltet" werden soll. Dass dahinter niemand Geringerer als der Zionismus stecken kann, belegt Gedeon dann auch gleich anhand einer äußerst validen Quelle:
[Ich ergänze hier den unmittelbar vorhergehenden Teil, den Pyka nur in geraffter Form darstellt ("Der Vatikan spricht zu Recht von einer „Verschwörung“, wobei es sich nicht primär um eine gegen den Papst, sondern um eine gegen die gesamte katholischen Kirche handelt: Erst die Pius-Brüder, dann die ganze katholische Kirche und schließlich das gesamte Christentum niedermachen und ausschalten:")   Das ist die freimaurerisch-zionistische Strategie, wie wir schon in den so sehr angefeindeten Protokollen der Weisen von Zion nachlesen können: 'Mit der Presse in der Hand können wir verkehren Recht in Unrecht, Schmach in Ehre. Wir können erschüttern die Throne und trennen die Familien. Wir können untergraben den Glauben an alles, was unsere Feinde bislang hochgehalten …..' "]

An dieser Stelle will ich den Anschlussabsatz an "Christentum als Leitreligion des Westens verdrängt" nicht unterschlagen, der ebenfalls in der online gestellten Leseprobe enthalten ist:
[Nachtrag 10.06.2016, ca. 11.00 h: Die vorliegend behandelten Passagen hatte Frau Pyka gar nicht mühsam "ausgegraben": Die waren in der Leseprobe online und daraus hatte auch ich sie gestern oder vorgestern kopiert. Jetzt sind sie verschwunden; offenbar hat Dr. Gedeon nun doch kalte Füße bekommen, oder seine Webseite auf Drängen von Freunden bereinigt. Aber dass er deswegen auch seine Meinungen über Nacht geändert hätte: Das glaube ich nicht. Wäre es anders, dann würde er sein Abgeordnetenmandat zurückgeben.]
"Wohl kommt der Zionismus aus dem Judentum, keinesfalls darf er aber mit diesem gleichgesetzt werden. Es ist ein besonderes Anliegen dieses Buches, den Unterschied zwischen den Begriffen Antisemitismus, Antijudaismus und Antizionismus deutlich herauszustellen."
Rein begrifflich kann man das alles so ordentlich wie Haushaltsabfall trennen. Die Definitionen zitiere ich aus den jeweiligen Wikipedia-Einträgen:
  • "Antisemitismus (bis 1945)": "Der Antisemitismus ist eine mit Nationalismus, Sozialdarwinismus und Rassismus begründete Judenfeindlichkeit, die seit etwa 1800 in Europa auftritt. Für den Nationalsozialismus war der Rassenantisemitismus zentral und führte im vom Deutschen Reich besetzten Europa bis 1945 zum Holocaust. Zu seinen Voraussetzungen gehören der Antijudaismus in der Christentumsgeschichte, zu seinen Wirkungen der Antisemitismus nach 1945."
  • "Antisemitismus (nach 1945)": "Antisemitismus bezeichnet seit 1945 keine politisch organisierte Massenbewegung und staatlich propagierte und vollstreckte Ideologie mehr, wie sie sich bis 1945 entwickelt hatte. Gleichwohl existieren Judenhass, rassistische und antisemitische Vorurteile auch nach dem Holocaust. ..... Dieser Begriff [Antisemitismus] steht dabei weiterhin für Formen pauschaler Judenfeindlichkeit, deren Vertreter Juden mit lange überlieferten und eingeübten Klischees und Stereotypen als übermäßig einflussreiches Kollektiv betrachten, für alle möglichen negativen Zeiterscheinungen verantwortlich machen und so bedrohen."
  • "Antijudaismus": "Als Antijudaismus ..... wird die pauschale Ablehnung des Judentums aus überwiegend religiösen Motiven bezeichnet. Meist umfasst der Begriff die Gesamtheit antijüdischer Theorien und Verhaltensweisen im Christentum."
  • "Antizionismus": "Antizionismus ist eine gegen den Zionismus gerichtete politische Ideologie. Seit der Gründung des Staates Israel 1948 wendet sie sich gegen diesen als jüdischen Staat. Antizionismus wird sowohl säkular wie religiös begründet und findet sich auf dem gesamten Kontinuum des politischen Spektrums, mitunter bestehen enge Zusammenhänge zur Judenfeindlichkeit."
Freilich hatten wir bereits oben anhand einer Reihe von Beispielen gesehen, dass Gedeon bei seiner Argumentation keineswegs immer zwischen Zionisten und Juden trennt.
Und wer (wie er) an das Wirken einer (oder mehrerer) zionistischen Verschwörung(en) glaubt, der muss im praktischen Umgang mit den Juden ALLE von denen notwendig als tatsächliche oder zumindest potentielle Verschwörer ansehen. Denn sonst könnte er ja eine böse Überraschung erleben oder, wie Gedeon selber sagt, "sogar zum Komplizen tatsächlicher Verschwörungen" werden.
Gedeons Trennung ist also eine rein künstliche; in der praktischen Auswirkung richtet sich seine Wahnidee einer zionistischen Verschwörung zwangsläufig gegen alle Juden.
(Und nicht gegen andere Gruppen oder Völker, denn zu einer spezifisch "zionistischen" Verschwörung können sich ja nur Juden zusammentun.)

Schaut man sich die o. a. Definitionen an, dann haben wir es mit dem Antisemitismus nach 1945 zu tun (meine Hervorhebungen):
"Formen pauschaler Judenfeindlichkeit, deren Vertreter Juden mit lange überlieferten und eingeübten Klischees und Stereotypen als übermäßig einflussreiches Kollektiv betrachten, für alle möglichen negativen Zeiterscheinungen verantwortlich machen ...".
Gedeon würde wahrscheinlich geltend machen, dass er ja nicht ALLE Juden der Verschwörungsteilnahme verdächtigt. Wenn man freilich die Kategorien heranzieht, die Prof. Armin Pfahl-Traughber in seiner langen Abhandlung "Ideologische Erscheinungsformen des Antisemitismus" (bpb) dann bekommt man ein Gefühl dafür, hinter welchen scheinrationalen Argumenten sich antijüdische Ressentiments verbergen. (Gedeons Weltbild ist hauptsächlich wohl der Fallgruppe "sekundärer Antisemitismus" zuzuordnen.)
Und tatsächlich wettert ja auch Gedeon gegen den Zentralrat der Juden in Deutschland, gegen den Zionismus, der Deutschland eine Art 'Holocaust-Religion' aufoktroyiert habe und der angeblich "jüdische [!] Partialinteressen in unverhältnismäßiger Weise gesellschaftlich durchzusetzen versucht". Hier geht es also tatsächlich um "die" Juden, nicht etwa um eine (mehr oder weniger zufällig jüdische) Verschwörerclique, deren Mitglieder die Macht für sich selber erobern wollten - und die dann natürlich die Herrschaft auch über die breite Masse der Juden anstreben müssten.Von außen betrachtet lässt sich Gedeons Leugnung als verlogen charakterisieren. Aber psychologisch dürfte er sich dermaßen immunisiert haben, dass ihm die Ungereimtheiten seiner Argumentation gar nicht auffallen.


"Viertes Beispiel: Ich würde „die Juden“ zu den Inneren Feinden des christlichen Abendlandes machen. — Nicht ich mache sie dazu, vielmehr war die christliche Gesellschaft damals aufgrund religiöser Überzeugungen mehrheitlich judenfeindlich eingestellt"
In seinem Vortrag "Der Kampf der Kulturen um Europa" sagt Gedeon:
"Nachchristliches Judentum und Islam waren in der Geschichte Europas insofern von besonderer Bedeutung, als ersteres als der innere Feind galt, von dem man sich geistig und gesellschaftlich abgrenzte, der Islam dagegen den äußeren Feind darstellte, der Europa zuerst vom Südwesten, dann vom Südosten her 1000 Jahre lang militärisch in seiner Existenz bedrohte. Somit spielten beide, nachchristliches Judentum und Islam, eine herausgehobene Rolle bei der Selbstwerdung und Selbstfindung Europas, aber nicht im Sinne einer Identifizierung, sondern im Sinne einer Aus- und Abgrenzung!"
Diese Formulierungen sprechen für seine Darstellung: Er schreibt nicht, dass das Judentum "der ... Feind war", sondern "als ... Feind galt"..

Seine Leseprobe aus "Der grüne Kommunismus und die Diktatur der Minderheiten. Eine Kritik des westlichen Zeitgeists" liest sich schon etwas anders (meine Hervorhebung):
"Der Begriff „jüdisch-christliche Religion“ ist falsch, sowohl im Hinblick auf das alttestamentarisch vorchristliche Judentum als auch im Hinblick auf das nachchristlich talmudische. Ersteres ist im Christentum aufgegangen. Es ist als eigenständiger jüdischer Faktor nicht mehr wirksam und auch nicht mehr als solcher differenzierbar. Das nachchristlich talmudische Judentum dagegen ist in seinem religiösen Kern genauso antichristlich, wie das Christentum in seinem religiösen Kern antijudaistisch ist. Beides ist die logische Konsequenz aus der Theologie der Gottessohnschaft und der göttlichen Trinität."
Immerhin kann man den Ausdruck "antichristlich" aber auch dahin gehend deuten, dass er eine objektive Widersprüchlichkeit der Religionen meint (die es sicher gibt), und nicht etwa eine subjektiv feindselige Einstellung der Juden gegenüber den Christen behaupten will.
Weil man nach guten und sinnvollen Auslegungsregeln bei Zweifeln immer die Position des Gegners verstärken soll, will ich Gedeon hier (auf der Basis meines Kenntnisstandes) die Richtigkeit seiner Erwiderung zugestehen.


ERGÄNZUNG UND KORREKTUR 15.06.2016. In dem FAZ-Artikel "Antisemitismus der AfD Im Eiferer-Modus gegen Juden" vom 04.06.2016 lese ich allerdings die folgende Darstellung Gedeons über die Juden als inneren Feind der Christenheit (meine Hervorhebungen):
"... das ..... Buch über den ..... „grünen Kommunismus“  ..... „Wie der Islam der äußere Feind, so waren die talmudischen Ghetto-Juden der innere Feind des christlichen Abendlandes“, schreibt Gedeon. „Als sich im 20. Jahrhundert das politische Machtzentrum von Europa in die USA verlagerte, wurde der Judaismus in seiner säkular-zionistischen Form sogar zu einem entscheidenden Wirk- und Machtfaktor westlicher Politik. (...) Der vormals innere geistige Feind des Abendlandes stellt jetzt im Westen einen dominierenden Machtfaktor dar, und der vormals äußere Feind des Abendlandes, der Islam, hat via Massenzuwanderung die trennenden Grenzen überrannt, ist weit in die westlichen Gesellschaften eingedrungen und gestaltet diese in vielfacher Weise um“, heißt es in Gedeons Buch."
Demnach hat Dr. Gedeon bei seiner Gegendarstellung entgegen meiner ersten Annahme doch auch in diesem Punkt gelogen. Hier "gelten" die Juden nicht als innerer Feind, sondern sie SIND der innere Feind. Dass Gedeon das als eine objektive Tatsache, nicht etwa als rein subjektive Wahrnehmung der Christen ansieht, ergibt sich aus der Gleichsetzung (nur halt auf einer anderen Ebene) mit dem Islam, bei dem ja wohl kein Zweifel daran bestehen kann, dass der objektiv und auch nach seinem eigenen Selbstverständnis ein Feind des Christentums war.


"Fünftes Beispiel: Ich würde der jüdischen Religion vorwerfen, an einer „Versklavung der Menschheit“ zu arbeiten. Tatsächlich bringe ich ein wörtliches Talmudzitat: „Wenn der Messias kommt, werden alle Sklaven der Juden“. Dieses Zitat wird im weiteren Text für die heutige Zeit wesentlich relativiert: Durch europäische und jüdische Aufklärung hat die Bedeutung des Talmud inzwischen stark abgenommen hat, so dass wir in unserer Gesellschaft solch religiös bedingte Gegensätze zwischen Juden und Christen nicht mehr haben."
Das mag so sein oder auch nicht; zur Beurteilung müsste ich den größeren Textzusammenhang kennen.
Aber selbst wenn man das vielleicht nicht an dieser konkreten Zitierung festmachen kann: Das angebliche Protokoll der Weisen von Zion zielt auf jüdische Weltherrschaft ab. Und wer das für echt hält, und für heute noch wirksam (was ja beides auf Gedeon zutrifft), der erhebt in der Tat, jedenfalls gegen die vermeintlichen zionistischen Verschwörer unter den Juden, einen tendenziell in Richtung "Versklavung" gehenden Vorwurf.

"Insgesamt handelt es sich bei meinen Büchern um politische Hintergrundliteratur, eher für politologische und theologische Seminare als für die undifferenzierte Diskussion auf dem Marktplatz gedacht. ..... Für Leute, die glauben, als Zitate-Sammler mit welcher Intention auch immer im Text herumpicken zu können, sind diese Bücher denkbar ungeeignet."
Mit diesem Dreh kann Gedeon sich nicht wirklich immunisieren oder exkulpieren. Denn in der Kritik an ihm geht es nicht um das Herauspicken einiger weniger Zitate: Die Fülle des Materials und die Breite seiner Debatte um die "Protokolle der Weisen von Zion" zeigen eindeutig, dass er vom historischen und gegenwärtigen Wirken einer verschwörerischen jüdischen Clique überzeugt ist - und seine Leser davon zu überzeugen versucht.

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[II.] Stellungnahme vom 8.6.2016 nach dem Beschluss der Fraktion vom 7.6.2016 
"Ich möchte hier noch einmal explizit feststellen:

1. Ich bin kein Antisemit. Ich hetze nirgendwo gegen Juden. Ich verunglimpfe nirgendwo Juden pauschal.
2. Ich leugne nicht den Holocaust, halte ihn vielmehr, wie die meisten Menschen in diesem Land, für ein entsetzliches Verbrechen.
3. Ich anerkenne das Existenzrecht des Staates Israel.
Wenn ich in verschiedenen Fragen den Zionismus kritisiere, ist dies legitim und für die politische Diskussion gerade in Deutschland notwendig. Mit Antisemitismus hat das nichts zu tun!
Derzeit demonstrieren immer häufiger radikale Moslems mit beängstigenden Parolen („Juden vergasen“). Statt irgendwelchen Detailformulierungen meiner Bücher „Antisemitismus“ zu unterstellen, sollte man entschieden gegen diesen wirklichen und sich gefährlich ausbreitenden Antisemitismus auf unseren Straßen vorgehen.
Mit der laufenden Medienkampagne wird ein unheimlicher Druck auf mich und die gesamte AfD aufgebaut. Die Forderung des AfD-Bundesvorstands nach meinem Parteiausschluss ist nicht die richtige Reaktion darauf, sondern eine opportunistische Anbiederung an die Medien.
Wolfgang Gedeon   8.6. 2016"

In dem obigen Text habe ich das Wort "pauschal" durch eine Hintergrundfärbung hervorgehoben. Das trifft, wie ich oben gezeigt hatte, für zumindest eine Stelle aus seinen Werken NICHT zu: "Für die USA ..... kann man ..... unterstellen, daß im Laufe des 20. Jahrhunderts der jüdische Faktor eine wesentlich gestaltende, ab 1989 vielleicht sogar dominante Position in Staat und Gesellschaft gewonnen hat."
Aber davon abgesehen ist es auch unerheblich, ob er allen oder nur einem Teil der Juden ein verschwörerisches Wirken unterstellt. Denn WENN er Recht hätte, müssten wir als potentielle Opfer uns ja vor ALLEN Juden in Acht nehmen - zum eigenen Schutz und um nicht "zum Appeasement-Politiker und im schlimmsten Fall sogar zum Komplizen tatsächlicher Verschwörungen" [Zitat s. o.] zu degenerieren.

Zumindest vom Ergebnis her wirkt sich die Verbreitung selbst einer "nur" anti"zionistischen" Verschwörungstheorie in gleicher Weise aus wie eine direkte Hetze gegen alle und eine pauschale Verunglimpfung aller Juden.
Da darf man legitimer Weise und muss jeder politisch denkende Mensch fordern: Principiis obsta!

 Es kann Gedeon auch nicht entlasten, dass er in dem (als Word-Datei) online gestellten Auszug aus "Der grüne Kommunismus und die Diktatur der Minderheiten" (Buchseiten 275 – 278; meine Hervorhebung) schreibt:
"Bei den Urhebern der Protokolle geht es ..... um zionistische Cliquen, von denen einige sicher nach diesem Konzept arbeiten dürften. Dass sie dabei im 20. Jahrhundert sehr erfolgreich waren, wird deutlich, wenn man sich gewisse Analogien zwischen der in den Protokollen propagierten politischen Strategie und Taktik und zum Beispiel den politischen Methoden der Brüsseler EU vor Augen hält."
Zwar sagt er hier einerseits, dass die Politik der Brüsseler Eurokraten "Analogien" zu "der in den Protokollen propagierten politischen Strategie und Taktik" aufweise.
Aber was soll uns das über die Wirkung der "Protokolle" sagen? Von außen zu beobachtende Analogien können
  • eine rein zufällige Übereinstimmung sein
  • kausal auf eine Beeinflussung der Eurokraten durch den Text der Protokolle zurückgehen oder aber sogar
  • kausal dadurch zustande gekommen seien, dass die "Zionisten" in Brüssel direkt oder als Lobby die Macht übernommen haben oder einen immensen Einfluss ausüben.
Da Gedeon von "zionistische[n] Cliquen, von denen einige sicher nach diesem Konzept arbeiten dürften" spricht, und denen Erfolge attestiert, muss der Leser zwingend davon ausgehen, dass diese Cliquen versucht haben, die Ziele der "Protokolle" auf verschwörerische Weise durchzusetzen und nach wie vor daran arbeiten.
Es kann dahingestellt bleiben, ob Gedeon einen unmittelbaren Einfluss der Verschwörer auf die Eurokraten unterstellt (also einen gewissen Erfolg der Zionisten auf dieser Ebene) oder nicht. Indem Gedeon die von ihm vermuteten Verschwörercliquen als "erfolgreich" charakterisiert schreibt er ihrem Wirken eine - auf welchem (krummen) Wege auch immer - gelungene Einflussnahme zu.

Dämonologisch gedeutet könnte man auf die Idee kommen, dass wir es hier mit ZWEI Dr. Gedeons zu tun haben:
  • dem vernünftigen Zeitgenossen, der Antisemitismus leugnet und tatsächlich auch kein Antisemit ist und
  • seinem Dämon, der seinem Munde immer wieder gewissermaßen zwanghaft Sätze und sogar längere Texte entfahren lässt, welche ganz klar eine Feindschaft gegen Juden bezeugen (oder gegen jüdische Gruppen, die freilich ein Beobachter nicht von den "normalen" Juden unterscheiden könnte).
Nur würde ein Exorzismus im vorliegenden Falle wohl nicht helfen, denn bislang sind Dämonen nur als schreiende, nicht aber der schreibende Teufel aufgefallen.

[Spannende Frage am Rande für die Hirnforschung, ob sich Zusammenhänge zwischen dem Krankheitsbild der Schizophrenie und dem Gedeonschen sozusagen "ideologischen Spaltungsirresein" aufzeigen lassen?]


"Statt irgendwelchen Detailformulierungen meiner Bücher „Antisemitismus“ zu unterstellen, sollte man entschieden gegen diesen wirklichen und sich gefährlich ausbreitenden Antisemitismus auf unseren Straßen vorgehen."
Die Polizei hört nicht auf, Verkehrsdelikte zu verfolgen, weil es auch Einbrüche und Morde gibt, die sie ebenfalls verfolgen muss. Das 'statt ..... sollte man lieber ....' ist also ein jämmerliches Scheinargument.

Ein Autor, der sein eigenes Werk ernst nimmt, steht selbstverständlich auch zu allen "Detailformulierungen" darin - insbesondere dann, wenn sie sich zu einem deutlich sichtbaren Meinungskomplex aufsummieren. Sich damit verteidigen zu wollen, dass man den Gegnern unterschwellig eine missbräuchliche Ausbeutung von "irgendwelchen Detailformulierungen" unterstellt, ist feige.
Grundsätzlich wäre es natürlich denkbar, dass Formulierungen aus dem Zusammenhang gerissen und von den Kritikern ihrem Sinn nach verfälscht werden. Dann müsste Gedeon das allerdings so sagen, und konkret aufzeigen. Ein Werk besteht nun einmal aus einer Fülle von "Detailformulierungen". Wer nicht konkret über diese debattieren will, der kann über ein Buch lediglich schwafeln.


Selbst wer, wie ich,   a) kein Fachmann ist, und   b) die Bücher von Gedeon nicht durchgeackert hat, kann an einer von ihm selber online gestellten Stelle seines Buches "Christlich-europäische Leitkultur - Die Herausforderung Europas durch Säkularismus, Zionismus und Islam", Kapitel "Die 'Protokolle der Weisen von Zion' " erkennen, wie unseriös er argumentiert, um die Echtheit dieses Verschwörungspapiers zu "beweisen":

"In seinem Buch geht Benz immerhin auf das Urteil der zweiten Instanz von 1937 ein, erklärt es aber damit, daß es sich hier nur um eine „formaljuristische“ Rücknahme des Urteils der ersten Instanz gehandelt habe, und nicht um eine inhaltliche [14, 82]."
Ganz allgemein ist festzuhalten, dass es eine ganze Latte von Büchern und Aufsätzen gibt, welche die Echtheit der Protokolle bestreiten (vgl. Wikipedia-Eintrag).
Ausgesprochen unwissenschaftlich ist es, dass Gedeon sich offenbar lediglich dieses eine Buch herauspickt, um die Feststellung scheinbar zu widerlegen, dass die Protokolle eine Fälschung sind. So jedenfalls muss ich es verstehen, wenn Pfahl-Traughber schreibt: "Auch ignoriert er [Gedeon] bis auf ein kleines Buch [damit kann nur Benz gemeint sein] komplett den umfangreichen Forschungsstand zum Thema."

Was jedenfalls Gedeons Versuch einer Widerlegung des Benz-Buches angeht stellt er, soweit ich das aus einem Vergleich mit dem ausführlichen Wikipedia-Eintrag zum "Berner Prozess" erschließen kann, den Sachverhalt (ebenfalls unter Berufung auf eine Sekundärquelle) völlig falsch dar. [Wikipedia verlinkt auch zu einer Webseite mit den Prozessdokumenten selber, aber ich verlasse mich auf die Richtigkeit der Stichwort-Auszüge. Wer Zweifel an deren Korrektheit hegt, mag die 53 Seiten des Urteils der Berufungsinstanz selber durchlesen.] Der Wikipedia-Eintrag liefert folgende Sachverhaltsdarstellung (meine Hervorhebungen):
"..... wurden [erstinstanzlich] die Beklagten Theodor Fischer und Silvio Schnell von Richter Walter Meyer verurteilt, während die drei weiteren Beklagten freigesprochen wurden. ..... Theodor Fischer selbst sowie der Anwalt von Silvio Schnell ..... erklärten sogleich, sie würden Berufung einlegen und ans Berner Obergericht ..... appellieren. Das Berner Obergericht sprach am 1. November 1937 ..... die beiden in erster Instanz verurteilten Angeklagten Theodor Fischer und Silvio Schnell aus formaljuristischen Gründen frei, weil der Begriff der «Schundliteratur» des Berner Gesetzes nicht auf «politische Publikationen» anwendbar sei, sondern nach dem Willen des Gesetzgebers nur auf «unmoralische und sittengefährdende (obszöne) Schriften». Jedoch lehnte das Gericht die Übernahme der Parteikosten der in Revision freigesprochenen Beklagten durch die Kläger ab mit der Begründung: «Wer aber solche Hetzartikel gemeinster Sorte in Verkehr setzt, muss die ihm daraus entstehenden Kosten selbst tragen

Gedeon dagegen geht nicht "ad fontes", wie es hier ja leicht möglich wäre. Stattdessen beruft er sich auf die Weisheit eines katholischen Geistlichen namens Gaston Ritter, der geschrieben hatte: „Am 1. November 1937 hat das Berufungsgericht das Urteil des Richters Meyer aufgehoben, weil der Richter Meyer nicht die nötige Vorsicht habe walten lassen und weil der Gutachter Loosli-Bümpliz nicht als objektiv und unparteiisch angesehen werden könne“ [in 155, 71]."

(Gedeons tieftrübe Quelle ist Ritters Vorbemerkung in der Auflage von 1938 seines übelst antisemitischen Traktats "Das Judentum und die Schatten des Antichrist". Ein Textbeispiel aus dem Vorwort zeigt, wes Geistes Kind dieser Geistliche war:
"Das Judentum ist ein ganz singuläres Phänomen der Menschheitsgeschichte, da es sich trotz seiner mindestens 2500jährigen Zerstreuung unter alle Völker der Erde als eine einheitliche, lebendige Rasse erhalten hat. Das ist gegen alle sonst wirksamen Gesetze der Ethnologie. Er ist eine wunderbare Erscheinung, dieser Ahasver, der als lebendiges Denkmal des Messiasmordes rast- und ruhelos durch die Jahrtausende wandert, nicht sterben kann, überall ein gefürchteter Fremdling, allenthalben Kultur und Freiheit bedrohend, gesunde Ordnung und gute Sitten, Religion und Staat unterwühlend, Wissenschaft, Kunst und Wirtschaft vergiftend, die Gesellschaft zersetzend.")

Da ich selber mir die Lektüre des Urteils erspart habe kann ich nicht ausschließen, dass tatsächlich Dinge über den erstinstanzlichen Richter und einen der Gutachter dort drinstehen, die sich irgendwie mit der o. a. Darstellung von Ritter in Einklang bringen lassen. Dabei könnte es allerdings nur um die Frage gehen, ob die "Protokolle" unter das Gesetz über die "unmoralischen und sittengefährdenden (obszönen) Schriften" fallen.
Denn dass die Berufungsinstanz inhaltlich genauso wenig Zweifel am Fälschungscharakter der "Protokolle" wie die erste Instanz hatte, geht aus dem Satz hervor «Wer aber solche Hetzartikel gemeinster Sorte in Verkehr setzt, muss die ihm daraus entstehenden Kosten selbst tragen.» [Die Richtigkeit der Wikipedia-Darstellung setze ich voraus; Zweifler können sie - wohl anhand dieses Urteils - selber nachprüfen.]

Selbst aber dann, wenn das Berufungsgericht die Protokolle ausdrücklich (und nicht nur, wie es offenbar der Fall war, implizit) als Fälschung bezeichnet hätte, könnten und würden "Dissidenten" auch die Richtigkeit dieses Urteils in Zweifel ziehen oder rundweg bestreiten.
Aber wenn Gedeon gegenüber Prof. Benz die Forderung erhebt
"Es wäre nun Aufgabe eines Autors, der ein Buch über die Protokolle schreibt und sich auf den Berner Prozeß als wichtigste Argumentationsbasis beruft, ausführlich die verschiedenen Darlegungen der beiden Prozeßseiten zu würdigen"
dann muss er dasselbe auch gegen sich gelten lassen.
Tatsächlich jedoch verschweigt er nicht nur die Tatsache, dass das Instanzengericht implizit die Protokolle ebenfalls als Fälschung bezeichnet hatte. Vielmehr erweckt er den genau gegenteiligen Eindruck durch die irreführende (entweder direkt wahrheitswidrige oder durch Herauslösung aus dem Zusammenhang verfälschte) Darstellung des priesterlichen Judenhassers Gaston Ritter.
In seinem weiteren 'Beweisgang' präsentiert Gedeon lediglich das Gutachten des Antisemiten und Nazi-Agenten Ulrich Fleischhauer, der aber auch nur Behauptungen aufgestellt hatte, ohne Beweise dafür zu erbringen. (Wobei Gedeon noch nicht einmal nach dem Gutachten selber arbeitet, sondern seine Darstellung - ob direkt oder bearbeitet weiß ich nicht - aus einer Sekundärquelle übernimmt: "Aber auch Fleischhauers „Gutachten“ in dieser Frage kennt Gedeon ausweislich des Literaturverzeichnisses seiner Triologie nicht. Er beruft sich bei all seinen Aussagen aus zweiter Hand auf einen Johannes Rothkranz, einen katholischen Fundamentalisten, der durch verschwörungsideologische Publikationen mit antisemitischen Tendenzen bekannt geworden ist" schreibt Pfahl-Traughber.)

Besonders kraus ist die Argumentation Ziff. 4b (meine Hervorhebung):
"Das neuere Geheimdokument sind die „Protokolle der Weisen von Zion“. Beide Programme sind völlig unabhängig voneinander aufgestellt, d.h. der Protokollverfasser verwendete für seine Arbeit weder den Urtext der Rede noch auch ihre Umarbeitung als Roman. Er benutzt nur die Dialoge. Beweis hierfür ist der Umstand, daß sich in den Protokollen Gedanken des älteren Programmes nur insoweit finden, als diese in den Dialogen enthalten sind, und daß alle Ausführungen des älteren Programmes, die Joly nicht benutzte, auch in die Protokolle nicht übergegangen sind."
Mit anderen Worten: Die Tatsache, dass der Protokollverfasser bei Joly abgeschrieben hat, soll für die Echtheit des Protokolls - und die Existenz einer älteren Vorlage dazu - bürgen!)
Wer derart unsinnig argumentiert, der ist nicht an Wahrheitsfindung interessiert; der will lediglich seine vorgefertigte Meinung bestätigt finden, und blendet entgegenstehende Fakten und Möglichkeiten komplett aus. [Ergänzung 20.07.2016: Vgl. dazu jetzt den Nachtrag vom 20.07.]

Aus welchem antisemitischen Morast Gedeon seine Argumente ausgebuddelt hat, zeigt bereits ein flüchtiger Blick in das Pamphlet von Gaston Ritter. Wie perfide dieser Typ argumentiert, enthüllt beispielhaft der folgende Passus:
"Die 'Protokolle' waren 30 Jahre bereits in vielen Sprachen in Umlauf, ohne daß die Juden gegen sie eine Klage eingebracht hätten. Ausgerechnet ein schweizerisches Berner Kantonalgesetz bot ihnen Gelegenheit, die verhaßten "Protokolle" anzugehen."
Hier wirft er den Juden im gleichen Atemzug vor, dass sie nicht schon früher juristisch gegen die Protokolle vorgegangen seien, und klagt sie dafür an, dass sie jetzt sozusagen missbräuchlich ein Berner Kantonalgesetz benutzen, um  genau das zu tun!
(Was implizit übrigens auch bedeuten würde, dass es vorher und in anderen Ländern offenbar keine Möglichkeit zu einem juristischen Vorgehen gab.)

Man schaudert heute, nachdem wir die Folgen solcher Hetze kennen, wenn man hier und da ins Vorwort reinblickt: Ein solcher - in diesem Falle religiöser - Antisemitismus ist einfach nur Ekel erregend!
Auch in dieses Machwerk ("Die Protokolle ..... aus der Sicht nach 100 Jahren") von einem gewissen Herbert Pitlik aus dem Jahr 1999 habe ich nur einen allerflüchtigsten Blick geworfen. Wer mehr Zeit hat, mag sich darüber Gedanken machen, ob es da einen Zusammenhang mit Gedeons geistigen Ergüssen gibt.


Meine o. a. Ausführungen dürften deutlich gemacht haben, dass ich Dr. Wolfgang Gedeon für einen Antisemiten halte.
Selbst aber dann, wenn man sich dieser Auffassung nicht anschließen will, kann man aus den bekannten Fakten folgenden Sachverhalt destillieren:
  • Dr. Gedeon schwimmt wie ein Fisch im Wasser in einem antisemitischen Diskurszusammenhang.
  • Zu einer kritischen Analyse der Zusammenhänge um die sogenannten "Protokolle der Weisen von Zion" ist er entweder nicht gewillt oder intellektuell unfähig. Das erhellt aus seinen Informationsquellen, wie sie Pfahl-Traughber beschrieben  hat: "Der Blick ins Literaturverzeichnis macht deutlich, dass Gedeon immer nur aus zweiter Hand arbeitet. Und es sind immer Bücher aus bekannten rechtsextremistischen Verlagen wie Arndt, FZ oder Nation Europa. Originalquellen hat er erkennbar nicht geprüft, gibt sich aber seitenlang als angeblicher Sachkenner. Dabei referiert Gedeon nur distanzlos und unkritisch rechtsextremistische Darstellungen zu Geschichte und Gegenwart."
  • Die angebliche strikte Trennung zwischen Zionismus und Judentum hält Gedeon nicht durch. Die Zionisten sieht er als Vorkämpfer jüdischer Interessen an.
  • Den Holocaust leugnet er nicht, aber er relativiert ihn und stellt die Holocaust-Leugner moralisch auf eine Stufe mit chinesischen Vorkämpfern für Demokratie.
  • Dr. Gedeon glaubt an die Echtheit der Protokolle der Weisen von Zion, ohne dass er dafür einen Beweis vorlegen könnte. Für die Substantiierung seiner Behauptung beruft er sich auf den Antisemiten und Nazi-Agenten Ulrich Fleischhauer, der als Sachverständiger in einem Schweizer Prozess ausgesagt hatte, aber auch keine Beweise für die Echtheit vorlegen konnte. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der umfangreichen Literatur zur Echtheitsfrage erspart er sich.
  • Dr. Gedeon glaubt, dass sich noch heute (oder heute wieder?) Zionisten verschworen haben (oder zionistische Verschwörercliquen nach wie vor aktiv sind), um die USA zu beherrschen, aber insbesondere auch um Deutschland Schaden zuzufügen. Und dass diese Aktivitäten bereits gewisse Erfolge erzielt haben.

Diese ganze antisemitische, als "nur" antizionistisch getarnte Judenverdächtigung ist dermaßen ekelhaft, dass er nicht nur aus der AfD-Fraktion in Baden-Württemberg, sondern auch aus der Partei ausgeschlossen werden muss.
Geschieht das nicht, wird die AfD nicht nur in der Öffentlichkeit massiv an Ansehen verlieren.
Vielmehr würden ansonsten die vernünftigen Leute uns verlassen und weitere antisemitische und andere Spinner seiner Art uns zuströmen. Irgendwann könnten wir dann mit der NPD fusionieren.
Der Bundesvorstand der AfD hat sich ganz entschieden (und zwar einstimmig) für einen Parteiausschluss von Hr. Dr. Wolfgang Gedeon eingesetzt [bzw. genauer wohl für eine PRÜFUNG eines Parteiausschlusses] und drängt massiv auf einen Ausschluss dieses antisemitschen Spinners (vgl. beispielsweise den Bericht "AfD-Bundesvorstand erhöht Druck auf Gedeon" der Junge Freiheit vom 07.06.2016). Konkret haben sich lt. dem JF-Bericht gegen Dr. Gedeon ausgesprochen:
  • Julian Flak
  • Alexander Gauland
  • Armin Paul Hampel
  • Uwe Jung (LaVo RP)
  • Prof. Jörg Meuthen
  • Beatrix von Storch
  • Alice Weidel
Frauke Petry und André Poggenburg müssen, nachdem die Entscheidung des BuVo einstimmig war (lt. JF), ebenfalls für den Ausschluss gestimmt haben. [Oder haben nicht teilgenommen?]
Ob es Stellungnahmen gibt von
  • Björn Höcke (LaVo AfD Thüringen),
  • Marcus Pretzell (LaVo AfD NRW und MdEP) sowie
  • Petr Bystron (LaVo AfD Bayern)
weiß ich nicht; ich würde mir jedenfalls eine eindeutige Positionierung auch dieser Parteifreunde wünschen.
[Ergänzung 12.06.2016: "Nach dem Bundesvorstand haben sich auch die Landesvorsitzenden der AfD für den Parteiausschluss des baden-württembergischen Landtagsabgeordneten Wolfgang Gedeon ausgesprochen. In einer Telefonkonferenz erklärten die Länderchefs am Freitag, der Abgeordnete sei untragbar geworden und müsse deshalb Fraktion und Partei verlassen. „Für Antisemitismus ist in der AfD kein Platz“, betonte der Landesvorsitzende in Mecklenburg-Vorpommern, Matthias Manthei" berichtete die Stuttgarter Zeitung am 10.06.2016 unter "AfD-Länderchefs für Ausschluss von Gedeon".
Da bin ich sehr froh, dass auch die "Klare Kante" gezeigt haben!]

Prof. Meuthen hat sich z. B. auf einer Pressekonferenz außerordentlich fair, zugleich aber eindeutig ablehnend gegen jeglichen Antisemitismus geäußert.

Ein evtl. Ausschluss von Dr. Gedeon aus der AfD-Landtagsfraktion würde in zwei Stufen erfolgen, von denen die eine bereits erledigt ist:
  1. Antrag einer Mehrheit der Fraktionsmitglieder auf Ausschluss. Dieser Beschluss wurde gefasst, und zwar am 08.06.2016. (Vgl. auch bei Facebook das o. a. Video von der Pressekonferenz mit Prof. Meuthen.)
  2. Der nächste Beschluss soll auf einer Fraktionssitzung am 21.06.2016 fallen; für den Ausschluss wäre eine 2/3-Mehrheit erforderlich.
Bei der Sitzung vom 08.06.2016 hat offenbar zwar eine Mehrheit der Abgeordneten für einen Fraktionsausschluss von Dr. Gedeon gestimmt, aber eine 2/3-Mehrheit wurde (noch?) nicht erreicht. Dies kann man indirekt bereits aus der Weigerung von Prof. Meuthen in der Pressekonferenz erschließen, das genaue Abstimmungsergebnis zu nennen.

Der Südkurier berichtet in seinem Artikel "Der unliebsame Kollege aus dem Hegau: Warum die AfD Gedeon loswerden will" vom 08.06.2016:
"Schon um zehn Uhr morgens traf sich seine Fraktion zur Sitzung im Landtagsgebäude, wo sich auch die Büros der AfD befinden. Immer wieder sah man erhitzte Gesichter aus dem Beratungszimmer treten. Auch Meuthen, kaum rasiert, war der Stress anzusehen. Die Causa Gedeon sei lebhaft und eingehend erörtert worden, berichtete der AfD-Vorsitzende.
Schnell beschlossen war die Sache nicht. Vielmehr taten sich einige Abgeordnete extrem schwer mit der Maßnahme. Null-Toleranz-Politik bei Antisemitismus hatte der AfD-Bundes- und Landessprecher Meuthen schon vor einer Woche angekündigt. Doch er unterschätzte wohl den Widerstand in den eigenen Reihen
."

Für mich ist dieses Ergebnis eine bodenlose Blamage unserer AfD. Dass offenbar mehr als 1/3 der AfD-Landtagsabgeordneten in Baden-Württemberg ein Problem damit hat, einen Antisemiten aus der Fraktion zu entfernen, kann ich nur als haarsträubend bezeichnen.
Allenfalls kann ich den Parteifreunden zugute halten, dass sie sich noch nicht intensiv genug mit dem Fall beschäftigt haben.
Vielleicht lesen ja einige meinen vorliegenden Blott und ändern ihre Meinung.

Auch im AfD-Landesvorstand gibt es offenbar Widerstände gegen einen Parteiausschluss von Dr. Gedeon.
Wenn Dr. Gedeon sein Mandat als Landtagsabgeordneter unverzüglich an die Partei zurückgegeben und den Kreisvorstand Konstanz niedergelegt hätte, dann hätte ich persönlich mit seinen Verbleib in der Partei, als einfaches Mitglied, leben können. Aber diese Lösung ist nunmehr versperrt, weil er verstockt (aus seiner Sicht freilich logisch) auf seiner vermeintlich "nur" antizionistischen, in Wahrheit aber eindeutig antisemitischen Position beharrt. Dadurch hat er sich für die Partei absolut untragbar gemacht.

Wenn wesentliche Teile der Partei das anders sehen, dann können wir gleich mit der NPD fusionieren. Und uns dann gemeinsam im Partykeller vergnügen - im Keller der Splitterparteien.
Ich hoffe sehr, dass das NICHT passiert, und dass wir uns ganz schnell berappeln und diesen Antisemiten sowohl aus der Fraktion als auch aus der Partei ausschließen.

Insoweit möchte ich noch einmal auf die Sache mit der Teufelsaustreibung zurückzukommen: Von einem Ausschluss von Dr. Gedeon erhoffe ich mir, dass eventuelle Gesinnungsgenossen von ihm die Partei dann gleich mit verlassen.
Und dass Antisemiten, die ggf. mit einem Parteieintritt liebäugeln, dadurch abgeschreckt werden.
Die AfD braucht keine Spinner und Wirrköpfe.
Dass ein Ausschluss Gedeons aus der Fraktion erfolgen wird, ist höchst wahrscheinlich.
Selbst wenn die Abgeordneten nicht einsichtig sein sollten steht mittlerweile eine Rücktrittsdrohung von Prof. Meuthen im Raum, und dass wir ein Zugpferd und politisches Naturtalent wie Prof. Meuthen nicht entbehren können, ist hoffentlich allen klar.
Und dass es überhaupt einer Rücktrittsdrohung bedurfte, um einige Parteifreunde zur Besinnung zu bringen, ist eine Affenschande für die AfD.

Nachträge 11.06.2016

Ein Facebook-Freund weist noch auf folgende Passage (II.1) hin (meine Hervorhebungen):
"Wir haben international derzeit zwei relevante Globalismen, die uns bedrohen: den islamistischen Globalismus und den US-Globalismus, der ideologisch ein freimaurerisch-zionistischer ist: Der islamistische Globalismus ist primär religiös ausgerichtet. Sein Hauptkampfgebiet ist derzeit Europa, wo er die muslimische Zuwanderung in seinem Sinn instrumentalisiert und die Entwicklung riesiger islamischer Parallelgesellschaften fördert. Durch weitere Zuwanderung und eine Reproduktionsquote, die deutlich über der der umgebenden einheimischen Bevölkerung zu liegen hat, soll die islamische Parallelgesellschaft im Laufe weniger Generationen zur Hauptgesellschaft werden und dann die gesamte Gesellschaft und den Staat dominieren und übernehmen
Demgegenüber ist der zweite Globalismus, der US-Globalismus, säkular und laizistisch ausgerichtet. Er möchte der ganzen Welt das zivilisatorische Modell der USA überstülpen, bei Widerstand gegebenenfalls mit militärischer NATO-Gewalt. Wirtschaftlich geht es um die Etablierung des Börsenkapitalismus als Grundlage der Weltwirtschaft, was schon weitgehend gelungen ist.
Politisch will man überall ein Mehrparteien-System, das man „Demokratie“ nennt, durchsetzen, und ideologisch geht es um die Durchsetzung einer freimaurerisch-zionistischen Ideologie, die als solche die Grundideologie des US-amerikanischen Staates darstellt.
Die freimaurerisch-zionistische Ideologie hat zwei Hauptwurzeln. Die eine ist die zionistische, die sich vor allem über die Ideologisierung des Holocaust-Gedenkens definiert und seit 1989 die dominierende Wurzel darstellt. Hierauf gehe ich jetzt nicht näher ein. Kurz beleuchten dagegen will ich die andere Wurzel: einen atheistisch-autonomistischen Humanismus."
Dazu muss ich hoffentlich nichts mehr sagen; wer dazu noch Erklärungen verlangt, der ist ein hoffnungsloser Fall.

Ein anderer Facebook-Freund hat auf dieses Video, "Sekunde 0:23 bis Sekunde 0:36" aufmerksam gemacht. Dazu fällt mir schon gar nichts mehr ein.


Nachtrag 12.06.2016 zum anonymen Kommentar (in zwei Teilen) von heute

"Anonym", danke für Ihre durchaus hilfreichen Infos. Dazu von mir:

Ich habe nirgends behauptet, dass dem Berner Urteil irgend eine Beweiskraft - so oder so - zukomme. Deshalb habe ich mich auch nur mäßig intensiv damit beschäftigt.

Wenn aber Dr. Gedeon - nach Gaston Ritter - behauptet
"hat das Berufungsgericht das Urteil des Richters Meyer aufgehoben, weil der Richter Meyer nicht die nötige Vorsicht habe walten lassen und weil der Gutachter Loosli-Bümpliz nicht als objektiv und unparteiisch angesehen werden könne"
dann will er damit im Leser eindeutig den Eindruck hervorrufen, dass das Berufungsgericht das Urteil aufgehoben habe, weil die Protokolle nicht als Fälschung erwiesen worden seien, sondern der erstinstanzliche Richter INSOWEIT Mist gebaut habe.

In diesem Zusammenhang darf man nicht übersehen, dass Gedeon vorher bereits den Richter implizit der Parteilichkeit verdächtigt hatte:
"Gerlinde Wolf: In der ersten Instanz nun hat die jüdische Seite gewonnen.
W.G. Meister: Der katholische Geistliche Gaston Ritter schrieb 1938 zu diesem Gerichtsverfahren: „Die Richter in der Schweiz werden durch Volkswahl bestellt. So war der marxistische Gerichtspräsident Meyer durch die Stimmen der Sozialdemokraten auf den Richterstuhl zu Bern erhoben worden
.“


Weiterhin ist heranzuziehen, was dem Ritter-Zitat unmittelbar vorausgeht (Hervorhebung von mir):
"In seinem Buch geht Benz immerhin auf das Urteil der zweiten Instanz von 1937 ein, erklärt es aber damit, daß es sich hier nur um eine „formaljuristische“ Rücknahme des Urteils der ersten Instanz gehandelt habe, und nicht um eine inhaltliche [14, 82].
IM GEGENSATZ DAZU schreibt Gaston Ritter: „Am 1. November 1937 hat das Berufungsgericht das Urteil des Richters Meyer aufgehoben ....
."

Mit anderen Worten: Gedeons Darstellung ist eindeutig darauf gerichtet, im Leser denn Irrtum zu erregen, als sei das Urteil deswegen aufgehoben worden, weil die 2. Instanz im Gegensatz zur 1. Instanz (mit dem bösen marxistischen Richter) nicht vom Fälschungscharakter der Protokolle habe überzeugt werden können.

Tatsächlich kritisiert das Berufungsgericht die Sachverständigenauswahl; diese habe a) nicht teilweise den Parteien überlassen werden dürfen und b) sei auch der vom Gericht bestellte Gutachter potentiell befangen.
Jedenfalls hätte die 1. Instanz Sachverständige berufen müssen, die allseitiges Vertrauen genießen (S. 28/29) - wenn es überhaupt auf die Echtheitsfrage angekommen wäre.

ABER: Letztlich sei die Einholung von Gutachten ("Anordnung und Durchführung einer Expertise") gänzlich überflüssig gewesen. Denn die Frage, ob eine Schrift Schundliteratur sei oder nicht, entscheide sich nicht danach, ob der Inhalt wahr sei, oder tatsächlich vom zugeschriebenen Autor stamme. Dafür komme es vielmehr allein auf Inhalt und Form des Werkes an. Zweck des Verbots [von Schundliteratur] sei nicht die Wahrung der historischen Treue, sondern der Schutz des Publikums vor bestimmten Einflüssen. (S. 30)

Die Fälschungsfrage könne zwar trotzdem wichtig sein; das jedoch lediglich bei der Höhe der Strafzumessung, nicht bei der Feststellung der Rechtswidrigkeit der Tat [Verbreitung von Schundliteratur] selbst. Vorliegend wäre jedoch selbst das bedeutungslos, weil hier die Fälschungsfrage dermaßen schwierig zu bewerten sei, dass jedenfalls den Angeklagten als bloßen Weiterverbreitern ein Wissen um die Fälschung (wenn es überhaupt darauf angekommen wäre) nicht hätte nachgewiesen werden können (S. 31).

Den anschließenden Text haben Sie selber zitiert:
Demnach erübrigt sich nicht nur eine Stellungnahme zu den drei Gutachten, sondern die Entscheidung der Echtheitsfrage überhaupt. Soviel kann darüber immerhin gesagt werden, dass der Beweis für die Echtheit der „Protokolle“ bis heute nicht geleistet wurde. Fest steht nur, dass sie mindestens zur Hälfte aus einer Schrift von Maurice Joly (...) abgeschrieben sind.“ (S.31 des Urteils)"

Weiter schreiben Sie:
"Insoweit ergibt sich aus dem obergerichtlichen Urteil gerade nicht implizit die Feststellung der Falschheit der „Protokolle“, sondern ausdrücklich nur, dass immer noch nicht klar ist, ob sie echt sind."
Richtig: Aus dem Urteil lässt sich nicht ableiten, dass sich das Berufungsgericht vom Fälschungscharakter der Protokolle überzeugt hätte.
Wohl aber lässt sich daraus ableiten, dass diese Frage im Berufungsverfahren gar keine Rolle mehr gespielt hat.
Und genau DAS verschleiert Dr. Gedeon im Anschluss an die Ausführungen eines Gaston Ritter in einer üblen antisemitischen Hetzschrift. Und erweckt den Eindruck, dass das Berufungsurteil deshalb ergangen sei, weil das Gericht Zweifel am Fälschungscharakter gehabt habe.

Ich will nicht ausschließen, dass die Kostenentscheidung NICHT diejenige Relevanz hat, welche die Wikipedia (und im Anschluss daran ich) ihr zugebilligt hat (haben).
Aber, wie gesagt, ich habe ja nicht den Beweischarakter des Urteils diskutiert, sondern die Tatsache, dass Gedeon dem Leser den Eindruck unterjubeln will, dass dem Urteil ein NEGATIVER Beweischarakter zukomme. Indem er seine Leser darüber täuscht, dass das Berufungsurteil tatsächlich rein formaler Natur war (die "Protokolle" mit dem üblen Anhang des Herausgebers Fritsch sind nicht unter das von den Klägern herangezogene Strafgesetz zu subsumieren), und in keinster Weise von einer Beurteilung des Echtheitscharakters der Protokolle abhing.
Und dafür bedient sich Gedeon als "Beweis" gegen die Ausführungen im Buch eines Historikers einer Behauptung aus einer übelst antisemitischen Hetzschrift.

Dieser Komplex ist ohnehin nur ein kleiner Mosaikstein; er zeigt aber, dass Dr. Gedeon in einem antisemitischen Denksystem befangen ist, für dessen Rechtfertigung ihm keine Quelle zu trüb ist. Hauptsache, sie bestätigt seine vorgefasste Meinung.


Nachträge 14.06.2016
 
Felix Menzel, Herausgeber des rechtsstehenden Jugendmagazins "Blaue Narzisse", hat sich in einem Facebook-Eintrag zur Causa Dr. Gedeon geäußert. Auszug:
"Ich habe die Bücher von Gedeon nicht gelesen, aber aussagekräftige Auszüge, die weit über das hinaus gehen, worüber die Presse berichtet. Mein Eindruck: Gedeon ist kein klassischer Dumpfbacken-Antisemit, wie es ihn in der Neonazi-Szene gibt. Aber seine jetzt nach dem Ausbruch des Skandals vorgetragene Meinung, er sei lediglich „Anti-Zionist“ und kein „Antisemit“ halte ich auch für eine Verharmlosung. Es ist eben nicht so, daß er nur die israelische Siedlungspolitik kritisiert, was völlig berechtigt ist. Gedeon hält den Zionismus für den dominantesten Bestandteil des Westens, auch wenn er dies an manchen Stellen abschwächt, an anderen aber sehr radikal ausdrückt. Es seien allerdings, betont er ausdrücklich, Nicht-Juden, die am meisten im Sinne der zionistischen Ideologie agieren würden. Da der Zionismus laut Gedeon jedoch ursprünglich eine jüdische Bewegung sei, geht dann doch wiederum alles auf den nicht nur übermäßig großen, sondern alles dominierenden, aber eben weitestgehend geheimen Einfluß der Juden zurück. Genau diese monokausale, nicht beweisbare (aber – dies haben Verschwörungstheorien so an sich: auch nicht 100 % widerlegbare) Position zur Beschreibung des „Untergangs des Abendlandes“ empfinde ich als antisemtisch, wobei sich dies bei Gedeon mit einem völlig übertriebenen Antiamerikanismus mischt."

 
Sein Magazin selber veröffentlicht einen Artikel "Der Abstand als Tugend" von Pierre Aronnax. Auszug (meine Hervorhebungen):
"..... macht man mit der Distanzierung ..... vor allem eines deutlich: Wer man ist – und wer man dementsprechend nicht ist. Warum ist das von Belang? Weil Menschen sich nicht einfach irgendwem anschließen. Sie wollen über die Sicherheit gegenüber Repressionen und das eventuelle Wohlwollen des Establishments hinaus ganz sicher mindestens eines: Sich mit Menschen zusammentun, die eine politische Vision vertreten, die sie unterstützen können – die sie selbst teilen. Sie wollen schlicht nicht mit bestimmten Leuten mit bestimmten politischen Vorstellungen gemeinsame Sache machen. Nicht weil sie Angst vor „dem System“ haben, sondern, weil sie diese Absichten nicht mittragen können und wollen. Und genau deshalb ist es wichtig, ihnen zu signalisieren, dass wir – sofern es denn zutrifft – eben jene Leute nicht sind."
"Der Verzicht auf die Distanzierung nimmt zu viel Rücksicht auf die vermeintlich eigenen Leute und zu wenig auf die, die es noch werden sollen und es dann auch tatsächlich wären. Verantwortlich ist hier ein gängiges Phänomen politischer Randgruppen: Die übermäßige Beschäftigung mit dem eigenen Milieu unter Vernachlässigung des eigentlich Bedeutsamen, nämlich dem Einflussgewinn innerhalb der Gesellschaft, die man zu ändern angetreten ist. Man kann sich nach weiter rechts distanzieren und sich dennoch nicht verbiegen, wenn man nämlich das tut, was so oft – gerade in unseren Reihen – eingefordert wird: Ehrlich sein und sagen, was man denkt. Nicht einknicken."
"Diesmal nämlich nicht gegenüber dem Establishment, sondern gegenüber Strömungen der Rechten, die man nicht als sinnvolle Bereicherung des Spektrums, sondern sogar als schädlich begreift: Nicht bloß für die eigene Sache – sondern für das ganze Volk. Und indem man das tut [sich distanzieren], stärkt man nicht nur seine eigene Position, sondern ebenso sein tatsächliches Lager, indem man all denen, die bisher skeptisch waren, den Zugang dazu ermöglicht, weil man endlich und unnachgiebig seine Stellung bezogen hat – eine Stellung, die im Gegensatz zu denen der „Sackgassenbewohner von rechtsaußen“ (Kubitschek) Millionen in diesem Land teilen und zu unterstützen bereit wären."


Nachträge 16.06.2016

Die Webseite PI-News ("politically incorrect") brachte -3- Artikel zu diesem Fall:
  • AfD will Judenhasser Gedeon ausschließen, redaktioneller Artikel (tendenziell gegen Dr. Gedeon) vom 07.06.2016
  • Eine Lanze für Dr. Wolfgang Gedeon (AfD)! massiv pro Gedeon, Autor "kewil", vom 08.06.2016
  • Gedeon, Mahler und die Schmierentragödie, langer redaktioneller Artikel vom 15.06.2016, der sich mit Dr. Gedeon, internen Reibereien in der Stuttgarter AfD-Fraktion und der Position des AfD-Fraktionsführers und (Mit-)Landesvorsitzenden von Baden-Württemberg, Prof. Dr. Jörg Meuthen befasst. (Der ist natürlich auch Co-Vorsitzender der Bundes-AfD, aber das ist vorliegend weniger interessant.)  Da zwei Kommentatoren (Nr. 81 + 248) zu meinem vorliegenden Blogeintrag verlinkt haben, entdeckte ich diese 3 Beiträge. Der letzte Artikel wendet sich ganz massiv gegen Dr. Gedeon und stärkt Prof. Meuthen entschieden den Rücken.

Von einem Parteifreund erhielt ich ein Rundschreiben, das ein Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg offenbar an dortige Parteifreunde geschickt hatte. Darin hatte er mitgeteilt und begründet, dass und warum er gegen einen Fraktionsausschluss von Dr. Wolfgang Gedeon (und damit im Ergebnis auch gegen Prof. Meuthen) stimmen werde. Mit folgender Mail habe ich versucht, ihm ins Gewissen zu reden:
"Sehr geehrter Herr XXX,,
Lieber Parteifreund,
Ihr Rundschreiben (wohl an Parteifreunde in BaWü gerichtet) hat auch mich in Bayern erreicht.
Ich selber habe mich mit den Meinungen von Gedeon, soweit das auf die Schnelle anhand von online verfügbarem Material möglich war, verhältnismäßig intensiv auseinandergesetzt; wahrscheinlich haben sie den Link auch zugeleitet bekommen. (http://blockiblocker.blogspot.de/2016/06/afd-mdl-dr-wolfgang-gedeon.html )
Zu Ihren Argumenten folgendes:
1) Dass eine antisemitische Einstellung nicht nach § 139 StGB als Volksverhetzung justiziabel ist, kann nicht umgekehrt bedeuten, dass sie bei einem AfD-Volksvertreter hinnehmbar wäre.
2) Ich halte auch nichts davon, dass die Holocaust-Leugnung strafbewehrt ist. Aber diese Schwachköpfe als “Dissidenten” zu adeln: Das käme mir nicht entfernt in den Sinn.
3) Nach Essen haben wir uns berappelt, das ist richtig. Allerdings wäre uns das kaum (überhaupt oder jedenfalls in diesem Umfang) gelungen, wenn uns nicht Angela Merkel mit ihrer Immiggressionspolitik so hilfreich unter die Arme gegriffen hätte. ;-) (Sage nicht nur ich, sondern, in anderer Form, bekanntlich auch Dr. Gauland.)
4) “Die Systemparteien haben den Kampf gegen uns aufgenommen”: In meinem o. a. Blogeintrag habe ich, soweit mir bekannt, die Chronologie dieser Sache nachgezeichnet. Die ersten Hinweise kamen wohl von jüdischer Seite (Bloggerin Pyka? Und auf jeden Fall die Webseite Hagalil.) Das kann man den Juden nun weiß Gott nicht verdenken, dass die bei Anzeichen von Antisemitismus äußerst sensibilisiert und alarmiert sind. Dass sich die Blockparteien da draufhängen, ist normal: Würden wir, bei entsprechend umgekehrten Verhältnissen, auch tun. Nur dürfen wir nicht den Fehler machen, (berechtigte) Solidarität mit bedrängten Parteifreunden mit bedingungsloser Kumpanei zu verwechseln.
5) Ich habe aufgrund des von mir in meinem Blogeintrag ausgewerteten Materials keine Zweifel daran, dass Dr. Gedeon ein Antisemit IST. (Wie ich auch nicht daran zweifle, dass er sich selber ganz ehrlich nicht für einen solchen HÄLT.) Wenn es uns nicht gelingt, uns in Fraktion und Partei von einer solchen Person zu trennen, dann schrecken wir für die Zukunft zahlreiche vernünftige Menschen ab: Wähler wie Mitgliedsinteressenten. Und locken die falschen an: “Bei denen darf man ja sagen, dass man Zweifel am Holocaust hat”. Ich selber bin auf Facebook präsent und debattiere die Sache dort heftig. (Auch Dr. Gedeon hat mittlerweile eine FB-Seite. https://www.facebook.com/Dr-Wolfgang-Gedeon-1701015746832255/?fref=ts ) Es ist nicht zu verkennen, dass es gar nicht so wenige Antisemiten gibt. Wenn wir zu dieser Sorte Zeitgenossen keinen radikalen Schnitt schaffen, dann war’s das mit der AfD. Vielleicht bleiben wir trotzdem, eine Zeitlang zumindest, über 5%. Aber die schönen Blütenträume, die uns zu reifen schienen, die sind dann auf immer ausgeträumt.
6) Es ist ja edel, dass Sie Ihre Überzeugung über die eigenen Mandatsaussichten (für eine weitere Legislaturperiode) stellen. Aber wenn Sie den vermeintlich Verfolgten Gedeon über das Wohlergehen der AfD stellen, dann gefährden sie unsere Partei. Und damit mittelbar auch Deutschland, denn, wie Björn Höcke zu Recht sagt: Die AfD ist die letzte evolutionäre Chance für eine Wende zum Besseren in Deutschland. Immerhin haben sich auch die Länderchefs gegen Gedeon ausgesprochen (http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.baden-wuerttemberg-afd-laenderchefs-fuer-ausschluss-von-gedeon.e8f73fbe-7210-45dd-a20e-937d96863cf7.html ) (allerdings halten sich Höcke und Poggenburg bedeckt - https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2016/affaere-gedeon-meuthen-droht-mit-ruecktritt/) .
7) Vielleicht überzeugen Sie auch einige weise Worte aus der “Blauen Narzisse” (nicht grade als “links” bekannt ;-) ): “Ein Beitrag zur Debatte um Dr. Gedeon und ganz allgemein darum, ob wir uns von Menschen, die sich selber unserem politischen Lager zurechnen, nicht distanzieren dürfen. ..... macht man mit der Distanzierung ..... vor allem eines deutlich: Wer man ist – und wer man dementsprechend nicht ist. Warum ist das von Belang? Weil Menschen sich nicht einfach irgendwem anschließen. Sie wollen über die Sicherheit gegenüber Repressionen und das eventuelle Wohlwollen des Establishments hinaus ganz sicher mindestens eines: Sich mit Menschen zusammentun, die eine politische Vision vertreten, die sie unterstützen können – die sie selbst teilen. Sie wollen schlicht nicht mit bestimmten Leuten mit bestimmten politischen Vorstellungen gemeinsame Sache machen. Nicht weil sie Angst vor „dem System“ haben, sondern, weil sie diese Absichten nicht mittragen können und wollen. Und genau deshalb ist es wichtig, ihnen zu signalisieren, dass wir – sofern es denn zutrifft – eben jene Leute nicht sind. ..... Der Verzicht auf die Distanzierung nimmt zu viel Rücksicht auf die vermeintlich eigenen Leute und zu wenig auf die, die es noch werden sollen und es dann auch tatsächlich wären. Verantwortlich ist hier ein gängiges Phänomen politischer Randgruppen: Die übermäßige Beschäftigung mit dem eigenen Milieu unter Vernachlässigung des eigentlich Bedeutsamen, nämlich dem Einflussgewinn innerhalb der Gesellschaft, die man zu ändern angetreten ist. Man kann sich nach weiter rechts distanzieren und sich dennoch nicht verbiegen, wenn man nämlich das tut, was so oft – gerade in unseren Reihen – eingefordert wird: Ehrlich sein und sagen, was man denkt. Nicht einknicken. ..... Diesmal nämlich nicht gegenüber dem Establishment, sondern gegenüber Strömungen der Rechten, die man nicht als sinnvolle Bereicherung des Spektrums, sondern sogar als schädlich begreift: Nicht bloß für die eigene Sache – sondern für das ganze Volk. Und indem man das tut, stärkt man nicht nur seine eigene Position, sondern ebenso sein tatsächliches Lager, indem man all denen, die bisher skeptisch waren, den Zugang dazu ermöglicht, weil man endlich und unnachgiebig seine Stellung bezogen hat – eine Stellung, die im Gegensatz zu denen der „Sackgassenbewohner von rechtsaußen“ (Kubitschek) Millionen in diesem Land teilen und zu unterstützen bereit wären." http://www.blauenarzisse.de/index.php/anstoss/item/5642-der-abstand-als-tugend  
8) Oder von Felix Menzel, weiß Gott kein Linksverdächtiger, auf Facebook (https://www.facebook.com/felix.menzel/posts/10201976724897557 ): “Ich habe die Bücher von Gedeon nicht gelesen, aber aussagekräftige Auszüge, die weit über das hinaus gehen, worüber die Presse berichtet. Mein Eindruck: Gedeon ist kein klassischer Dumpfbacken-Antisemit, wie es ihn in der Neonazi-Szene gibt. Aber seine jetzt nach dem Ausbruch des Skandals vorgetragene Meinung, er sei lediglich „Anti-Zionist“ und kein „Antisemit“ halte ich auch für eine Verharmlosung. Es ist eben nicht so, daß er nur die israelische Siedlungspolitik kritisiert, was völlig berechtigt ist. Gedeon hält den Zionismus für den dominantesten Bestandteil des Westens, auch wenn er dies an manchen Stellen abschwächt, an anderen aber sehr radikal ausdrückt. Es seien allerdings, betont er ausdrücklich, Nicht-Juden, die am meisten im Sinne der zionistischen Ideologie agieren würden. Da der Zionismus laut Gedeon jedoch ursprünglich eine jüdische Bewegung sei, geht dann doch wiederum alles auf den nicht nur übermäßig großen, sondern alles dominierenden, aber eben weitestgehend geheimen Einfluß der Juden zurück.”
Haben Sie den Mut zur (schmerzhaften) Wahrheit: Der Mann ist für uns nicht tragbar!
Denn nicht jeder ist schon deshalb ein Guter, weil er von unseren Gegnern angegriffen wird."


Nachtrag 21.06.2016
Auch der häufig als "Parteiphilosoph" bezeichnete Dr. Marc Jongen, stellvertretender Sprecher der AfD Baden-Württemberg und Dozent an der Karlsruher Hochschule für Gestaltung (HfG), untersucht (und bejaht) in einem ausführlichen Artikel "Nun sag, AfD, wie hast du’s mit dem Judentum?" in der Junge Freiheit vom 20.06.2016 die Frage, ob Dr. Gedeon ein Antisemit ist.


Nachtrag 23.06.2016
Die Bloggerin Jennifer Nathalie Pyka, der wir bereits oben begegnet waren, ätzt jetzt (zu Recht!) gegen die Unwilligkeit von mindestens 1/3 der AfD-Landtagsfraktion, Dr. Gedeon auszuschließen. Auf der Webseite "Achse des Guten" (AchsGut) titelt sie mit beißender Ironie: "Die Israelis sind unser Unglück!"

Textauszüge:
"Nun allerdings hat die weltweite Verschwörung es gewagt, Gedeon bei seiner Widerstandsgymnastik zu stören. Nachdem sein Hobby plötzlich auch den Medien auffiel, hielt die AfD es für eine gute Idee, etwas zu unternehmen. Gedeon selbst übte sich derweil in der Kür, die jeder ordentliche Antisemit beherrscht. Kannte er sich bislang nicht nur mit den Dingen aus, die Juden und Zionisten für gewöhnlich so aushecken, so wusste er nun auch ganz genau, wo Antisemitismus beginnt und wie man ihn definiert. Er selbst sei demnach kein Antisemit, sondern nur „dezidierter Antizionist“. Und weil ihm das Wohl der Juden so am Herzen liegt, warnte er bei der Gelegenheit auch davor, den Antisemitismus-Begriff nun zu verschleißen. Denn den brauche man ja noch für die „echten Antisemiten“ – zu denen er selbst natürlich nicht zählt. Zwar verfügt Gedeon weder über jüdische Kronzeugen noch über jüdische Freunde. Dafür allerdings hat er eine jüdische Uhr, die ihn laut eigenen Angaben davor bewahrt, ein Antisemit zu sein. Und das ist ja auch etwas Schönes."

Und:
"Jetzt wollen es einige Abgeordnete jedoch ganz genau wissen. Anstatt ihren Buddy ohne Widerruf vor die Tür zu setzen, hat sich die Fraktion auf Initiative einiger MdLs hin darauf geeinigt, ein Gutachten einzuholen, das klären soll, ob Gedeons Pamphlete antisemitisch sind oder nicht. Natürlich sind die ratlosen Abgeordneten gegen jeden Antisemitismus. Sie erkennen ihn nur selbst dann nicht, wenn er neben ihnen sitzt und die „Protokolle“ vorliest."
Und
"..... so werden wir uns nun künftig nicht nur mit der Frage beschäftigten, ob Jakob Augstein oder die Gaza-Matrosen aus der Linkspartei Antisemiten sind. Geklärt werden muss auch, ob Juden zu viel Einfluss haben, ob sie nicht doch selbst an ihrem Unglück schuld sind und ob die Protokolle echt sind; und falls nicht, ob jemand mit solchen Überzeugungen schon ein Antisemit oder nur ein querdenkender Judenkritiker mit guten Absichten ist. Der postmoderne Antisemit ist zwar schon weiter und verhütet heute den Angriffskrieg der Zionisten und nicht mehr den der Juden. Aber es kann ja trotzdem nicht schaden, im Jahr 2016 nochmal die Gedanken aus Opas Mottenkiste unter die Lupe zu nehmen und gut integrierte Gewissheiten kritisch zu hinterfragen.
Insofern zeugt die Rätselrunde von Stuttgart auch von Verantwortungsbewusstsein, wie man es im Land der Nürnberger Rassegesetze erwarten darf. Noch vor ein paar Jahrzehnten legten deutsche Schreibtischtäter gesetzlich fest, wer Jude ist und sich damit auf ein One-Way-Ticket nach Auschwitz freuen durfte. Wenn es nun um Antisemiten geht, dann lässt man aber lieber Vorsicht als Nachsicht walten und bestellt sicherheitshalber ein wissenschaftliches Gutachten. Nicht, dass die Weltverschwörer wieder übermütig werden."
Danke an jenes (mindestens) Drittel unserer Stuttgarter AfD-Landtagsabgeordneten, die zu feige waren oder politintellektuell zu unterbelichtet sind, einen eindeutigen Antisemiten aus ihrer Fraktion auszuschließen! Oder die den Fall vielleicht sogar für innerparteiliche Rankünen gegen Prof. Dr. Meuthen benutzen. Und denen es völlig gleichgültig ist, in welches Licht sie unsere AfD mit derartigen Machenschaften beim Wähler bringen.
So oder so ist es einfach nur widerlich, was da in Stuttgart in "meiner" Partei abgeht!



Nachtrag 04.07.2016
Der Religionswissenschaftler Dr. Michael Blume ist anscheinend CDU-Mitglied. Am 23.06.2016 hatte er auf der Webseite "Ruhrbarone" einen Artikel "Der antisemitische Verschwörungsglauben des Dr. Wolfgang Gedeon (AfD)" veröffentlicht. Wenn man von seiner gelegentlich propagandistischen Agitation gegen die AfD einmal absieht, muss man konstatieren, dass er, anscheinend nach einer Lektüre der Bücher von Dr. G., inhaltlich weitere Belegstellen und eine überzeugende Argumentation für den Antisemitismus von Dr. Gedeon vorlegt.


Nachtrag 07.07.2016
Der Dresdner Politologie-Professor Werner J. Patzelt hat ein Kurzgutachten u. d. T. "Gedeon und der Antisemitismus" verfasst. (Und zwar im quasi privaten Auftrag einer AfD-Landtagsabgeordneten; mit der eigentlich beschlossenen Heranziehung offizieller Gutachter - dafür war eine Findungskommission von 7 AfD-MdLs eingesetzt worden - gab es anscheinend Schwierigkeiten.)
Daneben existiert ein weiteres 'Privatgutachten' eines Jerusalemer Wissenschaftlers namens Gerstenfeld (Prof. Meuthen nannte den Familiennamen in einer Pressekonferenz; vermutlich handelt es sich um Manfred Gerstenfeld - Wikipedia); dieser Text ist aber anscheinend nicht online.


Nachtrag 18.07.2016
Heiko Evermann ist dabei, die Bücher von Dr. Gedeon sehr gründlich zu lesen. Das Ergebnis seiner Überlegungen zur Frage von Gedeons Antisemitismus stellt er in einer Artikelserie auf seiner neuen Webseite "Causa Gedeon" ein, und zwar unter "Dokumentation" (oben in der Leiste mit dem Mauszeiger auf diesen Begriff gehen; dann erscheinen die einzelnen Artikel, die man jeweils separat anklicken muss). Eine sehr gründliche und absolut überzeugende Analyse!


Nachtrag 20.07.2016
Das "Gutachten" (Anführungszeichen deshalb, weil es sich, soweit ich reingeschaut habe, um ein wildes Geschwafel handelt) von Ulrich Fleischhauer ist sogar online verfügbar. Fleischhauer hatte es nämlich 1935 unter dem Titel "Die echten Protokolle der Weisen von Zion" als Buch veröffentlicht. Er räumt zwar ein, dass die "Protokolle" weitgehend mit einer 1864 von einem Maurice Joly veröffentlichten Satire „Gespräche in der Unterwelt zwischen Machiavelli und Montesquieu“ identisch sind (S. 12 + 13):
"Obwohl es nun richtig ist, daß die Protokolle fast nur ein[e] Umarbeitung der Dialoge sind, wurde bisher von judengegnerischer Seite dazu noch nicht gebührend Stellung genommen. ..... Nach eingehendem Vergleich mit den Protokollen stelle ich fest, daß beide Schriften im Wesentlichen übereinstimmen, daß aber dennoch die Protokolle kein Plagiat sind, und daß sich grade aus Joly die Echtheit der Protokolle als einer jüdischen Programmschrift ergibt."
Ich habe, wie gesagt, das "Gutachten" nicht gelesen, nur mal kurz reingeschaut. Aber in Verbindung mit dem oben zitierten Absatz 4b aus der Gedeonschen (Rothkranzschen?) Zusammenfassung des Fleischhauer-"Gutachtens" darf man vermuten, dass die "Beweisführung" so verläuft:
  • 'Joly war Jude'
  • Die vorgebliche Satire basierte in Wahrheit auf einer älteren jüdischen Verschwörungsschrift
  • Somit ist die Übernahme des Joly-Textes in die Protokolle der Beweis, dass diese (ebenfalls) eine jüdische Verschwörungsschrift sind.
Klingt irre; aber für manche Gläubigen ist bekanntlich kein Phantasma zu wild. Gerade umgekehrt: Je unglaubwürdiger, des "glaubhafter" erscheinen den Wahnbefangenen ihre Mythen.
Hier ist das Gutachten in einer pdf-Datei eingestellt und damit bequemer lesbar, durchsuchbar und vor allem auch kopierbar.

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Die nachfolgenden Ausführungen sind lediglich Randbemerkungen, die man nicht unbedingt lesen muss:

Allgemeine Gedanken zum Bedürfnis nicht weniger Mitmenschen nach einer verschwörungstheoretischen Erklärung politischer Entwicklungen habe ich in meinem Blott "Die Rothschilds und der Regengott" entwickelt.



Um seinen Dr. in der Medizin zu machen benötigt man zweifellos eine mehr als durchschnittliche Intelligenz (in der Gender-Forschung mag das anders sein).
Wie kommt es dann, fragen wir uns automatisch, dass ein intelligenter Mann, wie Dr. Gedeon einer sein muss, derart dumme Dinge denkt? Ist er vielleicht gar nicht so klug?
Diese Fragestellung möchte ich nur andeuten, ohne sie zu vertiefen.
Für Interessierte verlinke ich jedoch zu dem Artikel "Warum kluge Menschen dumme Dinge tun". Es handelt sich um einen Bericht über Forschungsergebnisse, die (gegen unsere eindimensionale Alltagsintuition, die uns sofort den Begriff "Dummkopf" bereitstellt) zeigen, dass Intelligenz und Rationalität im Individuum nicht zwangsläufig zusammenkommen: Kluge (intelligente) Menschen können durchaus dumme (irrationale) Dinge tun (oder auch denken).

Freilich ist auch die Sache mit der Rationalität so eine Sache. Denn die nichtjüdischen Akademiker an der Universität Wien mögen ja durchaus rational gehandelt haben, wenn sie ihre jüdischen Kommilitonen - und damit späteren Arbeitsplatzkonkurrenten - schikanierten.
"Rational" ist eben nicht identisch mit "moralisch gut".
Und scheinbare Rationalität kann sich in einer erweiterten Zusammenhangsbetrachtung wiederum als Irrationalität erweisen: Wenn man etwa stipuliert, dass die ggf. verhinderten jüdischen Akademiker mögliche Arbeitsplatz- und Produktivitätsgewinne der österreichischen Wirtschaft verhindert haben. (Drastischer und einleuchtender lässt sich das am Beispiel der Mafia aufzeigen.)


Pro memoriam, ohne Kenntnis der Texte, halte ich hier für evtl. Interessierte (oder vielleicht auch zur eigenen Lektüre) noch folgende zufällige Linkfunde fest:


    ceterum censeo
     
    Wer alle Immiggressoren der Welt in sein Land lässt, der ist nicht "weltoffen":
    Der hat den A.... offen!
    Textstand vom 20.07.2016

Kommentare:

  1. Sehr geehrter Herr Kollege,

    Sie werfen Herrn Gedeon in der Diskussion um die „Protokolle“ und den damit zusammenhängenden „Berner Prozess“ vor, er verschweige, dass das Berner Obergericht, „implizit“ festgestellt habe, dass die „Protokolle“ eine Fälschung seien.

    So wie ich Sie verstehe, stützen Sie sich dabei im Wesentlichen auf die Ausführungen auf Wikipedia. In der Tat wird dort auf der Seite zu den „Protokollen“ ausgeführt, dass der „Berner Prozess“ ergeben habe, dass es sich bei den Protokollen um eine Fälschung handele, und auf der entsprechenden Seite zum „Berner Prozess“, dass die Angeklagten in zweiter Instanz aus „formaljuristischen“ Gründen freigesprochen worden seien. Zudem wird dort darauf hingewiesen, dass das Gericht trotz des Freispruchs die Übernahme der Parteikosten durch die Kläger abgelehnt habe mit der Begründung, dass es sich um „Hetzartikel“ handele.

    Ich kenne mich in der Materie nicht besonders gut aus, kann also insgesamt nichts zur Echtheit der Protokolle sagen. Allerdings bin ich in der Lage, das im Internet verfügbare Urteil zu lesen. Wieso Sie das ausdrücklich nicht tun, verstehe ich nicht, noch dazu wo Sie doch Herrn Gedeon vorwerfen, er würde nur mit Sekundärliteratur arbeiten. In der Tat ist die Lektüre des Urteils sehr erhellend. Es ergibt sich nämlich, dass Ihr Vorwurf nicht richtig ist und die Darstellung auf Wikipedia zumindest sehr irreführend, in der Schlussfolgerung ebenfalls falsch.

    (Fortsetzung im nächsten Kommentar wg. Zeichenbegrenzung)

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  2. (Fortsetzung aus Vor-Kommentar)

    In dem Verfahren ging es, wie Sie wissen, darum, ob sich die Angeklagten des Verbreitens der „Schundliteratur“ schuldig gemacht hatten, weil sie u.a. die „Protokolle“ auf einer öffentlichen Veranstaltung zum Verkauf angeboten hatten. Dabei stritten sich die „Parteien“ vor allem um die Echtheit der Protokolle, weil die Angeklagtenseite behauptete, man habe nunmehr den Beweis der Echtheit gefunden. Das erstinstanzliche Gericht hat der Diskussion folgend drei Gutachter zur Echtheit gehört. Jede Partei konnte einen benennen, zudem bestellte das Gericht einen eigenen. Der Gutachter der Anklageseite und der gerichtliche Gutachter kamen anders als der Angeklagtengutachter zu dem Ergebnis, es handele sich um eine Fälschung. Das erstinstanzliche Gericht schloss sich dem an und verurteilte die Angeklagten deswegen. Die Angeklagten appellierten gegen das Urteil und wurden in zweiter Instanz freigesprochen.

    Das Obergericht bejaht dabei mitnichten, auch nicht implizit, dass es sich um eine Fälschung handelt. Nach dem Obergericht kommt es nämlich für die Frage, ob es sich um „Schundliteratur“ handelt und sich die Angeklagten deshalb strafbar gemacht haben, nicht auf die Echtheit der verbreiteten Druckerzeugnisse an. Entscheidend soll allein der Inhalt der Schriften sein. Das Gericht stellt insoweit ausdrücklich fest: „Demnach erübrigt sich nicht nur eine Stellungnahme zu den drei Gutachten, sondern die Entscheidung der Echtheitsfrage überhaupt. Soviel kann darüber immerhin gesagt werden, dass der Beweis für die Echtheit der „Protokolle“ bis heute nicht geleistet wurde. Fest steht nur, dass sie mindestens zur Hälfte aus einer Schrift von Maurice Joly (...) abgeschrieben sind.“ (S.31 des Urteils) Insoweit ergibt sich aus dem obergerichtlichen Urteil gerade nicht implizit die Feststellung der Falschheit der „Protokolle“, sondern ausdrücklich nur, dass immer noch nicht klar ist, ob sie echt sind.

    Und obwohl es für das Obergericht eigentlich nicht maßgeblich ist, weist es zudem darauf hin, dass das erstinstanzliche Urteil fehlerhaft ergangen ist. Es rügt, dass es sich bei dem dritten (nicht von den Parteien gestellten) Gutachter Loosli nicht um eine „vollständig unbefangene, unvoreingenommene Persönlichkeit“ gehandelt habe. Loosli habe nämlich bereits in einer Schrift im Jahr 1927 die Protokolle als gefälscht angesehen und in „polemisierendem, keineswegs wissenschaftlichen Tone“ über die Fälschung geschimpft. Er komme deshalb zu dem entsprechenden Ergebnis. (S.29 des Urteils)

    Dass das Obergericht bei der Frage der Entschädigung und der Kosten den Angeklagten kein Entschädigung zuspricht, die Verteidigerkosten jede Partei selber tragen lässt und bei den Staatskosten differenziert und insoweit von „Hetzartikeln“ spricht, hat dann offensichtlich nichts mehr mit der Frage der Echtheit der „Protokollen“ zu tun. Insoweit ist diese Darstellung auf Wikipedia inhaltlich richtig, aber wiederum auch ein Beispiel dafür, dass eine aus dem Zusammenhang gerissene Darstellung verzerrend sein kann.

    Soweit ich es beurteilen kann, erscheint mir insoweit die Feststellung von Herrn Gedeon, dass der „Berner Prozess“ als solcher nicht als Argument für die Unechtheit der „Protokolle“ herangezogen werden kann, durchaus richtig. Dass er hier die Situation gezielt tendenziös darstellt, kann ich erst recht nicht sagen. Dies scheint mir eher bei Wikipedia der Fall zu sein. Auf Wikipedia sollten Sie Ihre Argumentation wirklich nicht stützen.

    Mit freundlichen Grüßen

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  3. Hallo Anonym,

    zu Ihren Ausführungen habe ich in einem Textanhang Stellung genommen.
    Es mag sein, dass die Kostenentscheidung nicht jene Aussagekraft für die Meinung des Gerichts hat, welche die Wikipedia und im Anschluss daran ich ihr zumessen.

    Indes habe ich nirgends behauptet, dass das Urteil (oder die Kostenentscheidung) ein Beweis für den Fälschungscharakter der Protokolle sei.

    Entscheidend ist vielmehr, dass Gedeon seine Leser darüber hinwegtäuscht, dass sich das Berufungsgericht dazu gar keine oder zumindest keine negative Meinung gebildet hat.
    Und dass er sich zu diesem Zweck auf die (falsche) Darstellung in einem übelst antisemitischen Pamphlet beruft.

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  4. Sehr geehrter Herr Kollege,

    zugegebenermaßen hatte ich Ihre früheren Ausführungen anders verstanden. Sie haben ja u.a. geschrieben: „dass die Berufungsinstanz inhaltlich genauso wenig Zweifel am Fälschungscharakter der "Protokolle" wie die erste Instanz hatte, geht aus dem Satz hervor...“ Es scheint hier so, als überzeuge Sie diese (wohl von Wikipedia stammende) Argumentation und dass Sie sie sich zu eigen machen. Es freut mich aber, dass Sie meine Anmerkungen für hilfreich erachten und klargestellt haben, dass Sie nach Lektüre des Urteils auch zu dem Ergebnis kommen, dass der Berner Prozess in der Diskussion um die Fälschung/Echtheit der Protokolle nicht herangezogen werden kann, weil es dort für die letztlich getroffene Entscheidung in keinem Punkt auf die Echtheit ankam.

    Allerdings ist es offensichtlich so, dass auch Herr Gedeon diese Ansicht teilt. Dies kann man ohne Weiteres erkennen, wenn man seine Ausführungen zum Thema vollständig liest (wobei ich mich hier auf das von ihm auf seiner Webpage bereitgestellte Material beziehe).

    Ich stimme mit Ihnen zwar überein, dass die Darstellung von Herrn Gedeon an einer Stelle missverständlich ist, wenn er Gaston Ritter zitiert, ohne das Zitat zu würdigen. Gaston Ritter spricht in dem Zitat ja davon, dass die Aufhebung des erstinstanzlichen Urteils erfolgt, weil der Gutachter Loosli nicht als objektiv und unparteiisch angesehen werden könne (wohl S.469/470 aus Bd.2 Christlich-Europäische Leitkultur). Diese von Gaston Ritter behauptete Kausalität zwischen Aufhebung des Urteils und Kritik am Gutachter Loosli gibt es aber nicht, wie man bei Lektüre des Urteils sehen kann. Nachdem Herr Gedeon nun auf diesen Umstand nicht hinweist, könnte man hier meinen, er mache sich die Ausführungen von Herrn Ritter zu eigen, zumal er Gaston Ritter auch noch ein weiteres Mal widerspruchslos zitiert, und komme zu dem Ergebnis, der Prozess habe ergeben, dass die Protokolle echt seien.

    (Fortsetzung im nächsten Kommentar)

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  5. (Fortsetzung aus Vor-Kommentar)

    Dem ist aber nicht so. Schon zu Beginn des Kapitels stellt Herr Gedeon einleitend fest: (Hervorhebung von mir) „Das Urteil der ersten Instanz, das die Protokolle für eine Fälschung erklärte, wurde aber nicht rechtskräftig, sondern durch ein Berufungsgericht aufgehoben. Von daher kann sich hier niemand auf ein Gerichtsurteil berufen.“ In der Folge beruft sich Herr Gedeon auch nirgendwo in seiner Argumentation darauf, dass sich beim Prozess ergeben habe, dass die Protokolle echt seien, sondern kritisiert nur, dass Herr Benz sich für seine Argumentation darauf beruft, es habe sich beim Prozess ergeben, sie seien gefälscht (wofür ich ihn, wenn es zuträfe, dass er das tut – ich werde das die Tage einmal überprüfen -, auch kritisieren würde). Herr Gedeon teilt also letztlich zweifellos die Meinung, dass dem Berner Prozess in der Diskussion keine Beweiswirkung zukommt. Genau für diese Aussage wird er in der Presse sogar angegriffen. Sehen Sie sich einmal diesen Artikel an:
    http://www.welt.de/geschichte/article156377227/AfD-Politiker-haelt-antisemitisches-Machwerk-fuer-echt.html

    Dass Herr Gedeon den Leser bewusst über die Bedeutung des Berner Prozesses täuscht oder täuschen will, kann man, wenn man das ganze Kapitel liest, wirklich nicht sagen. Er hat hier im Grunde offensichtlich das gleiche gemacht wie Sie, wenn ich das so sagen darf. Er hat auf die Lektüre des Urteils verzichtet, weil es zur Rechtfertigung seiner Position letztlich keine nennenswerte Rolle spielt.

    Den Vorwurf gezielter Täuschung könnte man an dieser Stelle eher gegen Wikipedia und die Welt erheben. Dabei haben Sie natürlich Recht, dass es sich um einen Mosaikstein im Gesamtbild handelt. Dies rechtfertigt aber meines Erachtens aber keinesfalls eine falsche Darstellung.

    Mit freundlichen Grüßen

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  6. Die Debatte darüber, wer was über was gesagt hat, was wer über den Berner Prozess gesagt hat, führt vom Wesentlichen ab: Nämlich der Frage, ob Dr. Gedeon ein Antisemit ist oder nicht.

    Bereits der Titel seiner Trilogie: "Christlich-europäische Leitkultur - Die Herausforderung Europas durch Säkularismus, Zionismus und Islam" zeigt, dass er den "Zionismus" für eine Bedrohung Europas hält.

    Da ist es nur folgerichtig, dass er alles unternimmt, um den Leser davon zu überzeugen, dass die Protokolle der Weisen von Zion "mutmaßlich von jüdisch-zionistischen Autoren verfaßt und auf die Verhältnisse des 20. Jahrhunderts zugeschnitten sind".

    Und dass es Gruppen gibt, die auf der Grundlage dieses sozusagen Masterplans ERFOLGREICH dabei sind, Europa zu unterwühlen (Versalschrift von mir):

    "Machttaktisch geht es also darum, die Völker, die man beherrschen will, führerlos zu machen. Wenn man sich heute umschaut, HAT MAN HIER SCHON VIEL ERREICHT. Die meisten Völker der westlichen Zivilisation kann man inzwischen als weitgehend führerlos bezeichnen."
    "Im Zuge einer generellen Dämonisierung des Dritten Reiches hat man den Begriff des Führers insgesamt in Mißkredit gebracht, so daß „Führerlosigkeit“ inzwischen als angestrebtes Ideal einer modernen Demokratie gilt."
    Dass sich das "man" nur auf die Zionisten beziehen kann, ergibt sich aus dem Anschluss an die vorhergehende Passage, wo eben die 'Führungslosmachung' (sozusagen die politische Dekapitation) als eine in den Protokolle geplante Strategie geschildert wurde.
    Das heißt: Die Zionisten haben das 3. Reich dämonisiert, um uns politisch führungslos zu machen.

    "Wer die Geschichte und Politik der letzten 100 Jahre betrachtet, muß konzedieren, daß viele der in den Protokollen aufgeführten Elemente und Praktiken schon tatsächlich umgesetzt wurden."

    Und in "Der grüne Kommunismus und die Diktatur der Minderheiten" heißt es:
    "Bei den Urhebern der Protokolle geht es also um zionistische Cliquen, von denen einige sicher nach diesem Konzept arbeiten dürften. Dass sie dabei im 20. Jahrhundert sehr erfolgreich waren, wird deutlich, wenn man sich gewisse Analogien zwischen der in den Protokollen propagierten politischen Strategie und Taktik und zum Beispiel den politischen Methoden der Brüsseler EU vor Augen hält."

    Weiter im Folgekommentar

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  7. Fortsetzung des Vorkommentars:

    Um seine Leser von der Echtheit der Protokolle zu überzeugen, zieht er Ausführungen des hasserfüllten Antisemiten Gaston Ritters als angebliche Widerlegung von Benz' Darstellung heran, dass es sich bei dem Berufungsurteil um eine „formaljuristische“ Rücknahme des Urteils der ersten Instanz gehandelt habe, und nicht um eine inhaltliche.
    ("Im Gegensatz dazu schreibt Gaston Ritter: .....")
    Dass Dr. Gedeon überhaupt Behauptungen eines glühenden Antisemiten ungeprüft übernimmt, und höher stellt als die Aussage eines Historikers, spricht schon für sich.
    Ebenso, dass er seinen Lesern lang und breit, und völlig unkritisch, das "Gutachten" des Antisemiten und Nazis Fleischhauer präsentiert.

    Desgleichen die Fußnote "Schon Ende des 15. Jahrhundert wurde ein Brief entdeckt, den das Oberhaupt der Juden in Konstantinopel an den Rabbiner Chamor aus Arles (Südfrankreich) auf dessen Anfrage hin geschrieben hatte: .....". Die Funktion dieser Passage ergibt sich aus dem Zusammenhang: Den Lesern zu suggerieren, dass sich Juden bereits seit Jahrhunderten gegen uns verschwören.
    (Woher er diese "Information" hat, weiß ich nicht; dass die ursprüngliche Quelle aber ein anderer klerikaler Antisemit war, habe ich oben dargelegt.)

    Und dass er Umberto Eco anklagt, Propaganda gegen die Echtheit der Protokolle machen zu wollen, kann ich nur noch als abenteuerlich bezeichnen:
    "Wenn die rationale Argumentation schwach ist und die entsprechenden Sachbücher à la Benz einer kritischen Diskussion nicht standhalten, muss man sich aufs Roman-Schreiben und das Erfinden fiktiver Personen verlegen."

    Zusammen mit weiteren Sachverhalten, die ich im Ausgangsbeitrag aufgeführt habe, zeigt sich eindeutig, dass Dr. Gedeon sich als Opfer finsterer Mächte, darunter nicht zuletzt der "Zionisten" sieht.
    Die angebliche Unterscheidung zwischen Zionisten und Juden ist ein Muster ohne Wert; die Zionisten sind, wenn überhaupt unterschieden, dann allenfalls die gewissermaßen 'verschwörerische Avantgarde des Judentums'. (Fleischhauer, von Dr. Gedeon ohne negative Wertung zitiert: "... zeigen den Verfasser als einen von glühender Liebe zu seinem Volk erfüllten jüdischen Führer").

    Diese Wahnwelt ist schlicht widerlich!

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  8. Nochmal zusammenfassend, Anonym:

    Was bedeutet es, wenn Dr. Gedeon die Protokolle der Weisen von Zion für echt hält, und auch seine Leser von deren Echtheit überzeugen will?

    Es bedeutet, dass er von einer jüdischen Verschwörung zur Übernahme der Weltherrschaft ausgeht.
    Und genau das hat er ja auch an zahlreichen anderen Stellen unmissverständlich zum Ausdruck gebracht.

    Derartige Wahnvorstellungen sind nicht verboten und folglich auch nicht strafbar.

    Aber in der Alternative für Deutschland (AfD) brauchen wir solche Vögel so nötig wie einen Kropf!

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